Ödes Kloster, Baumgarten (Burgenland)

Dass das heutige Burgenland die längste Zeit Teil des Königreichs Ungarn war, erkennt man unter anderem auch an der relativ großen Zahl ehemaliger Paulinerklöster, die es hier gibt. Der Orden der Pauliner war im Ungarn des 13. Jahrhunderts aus dem Zusammenschluss loser Gemeinschaften von Einsiedlern und Eremiten entstanden, und obwohl er in den nachfolgenden Jahrhunderten auch international Verbreitung fand, war und blieb sein Hauptverbreitungsgebiet doch das östliche Europa, vor allem Ungarn, Kroatien und Polen.

Ins nordburgenländische Baumgarten kamen die Paulinermönche 1475, als ihnen eine etwas außerhalb des Ortes gelegene Wallfahrtskapelle zur Betreuung übergeben wurde. Unmittelbar darauf errichteten sie rund zehn Meter südlich davon eine neue, etwas größere Kirche und verbanden die beiden Bauteile durch eine kleine Klosteranlage. Schon 1493 aber wurde die Anlage durch einen Brand beschädigt und in der Folge wieder aufgelassen. Erst 1743 wurde ein zweiter Versuch gestartet: Das Kloster wurde wiederbesiedelt, Kirche und Konventsgebäude wieder in Stand gesetzt. In dieser Zeit erhielt der Bau auch sein heutiges Aussehen, die drei zu einem großen Teil noch mittelalterlichen Bauteile – Kirche, Kloster und Kapelle – wurden durch eine einheitliche Fassade zusammengefasst. Diese weißgetünchte Giebelfassade ist, wenn man so will, von zeitloser Schlichtheit, und nur der kleine Portalvorbau mit Volutengiebel sowie die Nischenfiguren darüber lassen erkennen, dass es sich hier um ein Stück Barockarchitektur handelt.

Auch dieser zweite Versuch war jedoch nur von kurzer Dauer: Schon 1782 kam es im Zuge der josephinischen Reformen zur Aufhebung des Klosters, das danach endgültig verödete. In einer baumbestandenen, schattigen Wiese, umgeben von Äckern und Feldern gelegen, ist die als Ödes Kloster bekannte Anlage aber auch heute noch ein ausgesprochen reizvoller Ort, der sich nicht zuletzt durch Abgeschiedenheit und Ruhe auszeichnet. Es lässt sich nur zu gut verstehen, dass ein dem Einsiedler-Ideal verschriebener Mönchsorden sich ausgerechnet diese Stelle für ein Leben in kontemplativer Einsamkeit ausgesucht hatte…

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The Ödes Kloster [Deserted Monastery] in Baumgarten was founded in the late 15th century, yet abandoned soon afterwards, having been damaged by a fire in 1493. It was re-established in 1743, but once again it didn’t last long: In 1782 it was dissolved in the course of Emperor Joseph II’s campaign of secularisation. Hidden behind the former monastery’s plain, whitewashed 18th century facade are three distinct buildings: a small chapel and a church, both dating to the 15th century, and the convent buildings themselves.

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