Bauernhaus, Bad Waltersdorf (Steiermark)

Vor ein paar Wochen, als der Kukuruz auf den Feldern noch niedriger stand, kam ich an diesem alten Bauernhaus im oststeirischen Bad Waltersdorf vorbei. Im Ortsteil Waltersdorfberg direkt an der Straße gelegen, ist es ein gutes Beispiel dafür, dass nicht jedes bemerkenswerte Gebäude aus vergangenen Zeiten auch zwangsweise unter Denkmalschutz steht – beziehungsweise im Umkehrschluss, dass nicht nur unter Denkmalschutz stehende Gebäude auch bemerkenswert sind…

Was das früher einmal weißgetünchte Haus auszeichnet, sind Baudetails wie die angedeuteten Pilaster an den Ecken oder die plastisch herausgearbeiteten Strahlenmotive in den Lünetten oberhalb sowie die Rautenmotive in den Parapetfeldern unterhalb der Fenster. Alles Details, die eine Entstehung in der Zeit des Biedermeiers nahelegen.

Was man auf den Bildern aber auch nur zu gut erkennt, ist, dass die Fenster keine Scheiben mehr haben, die Fensterläden ramponiert sind, die Wände von Rissen durchzogen werden und der Putz großflächig abblättert. Beim Ostflügel ist überhaupt auch schon das Dach samt Dachstuhl eingestürzt. Der weit fortgeschrittene Verfall des Gebäudes ist dadurch möglich, dass es eben nicht unter Denkmalschutz steht, wohl weil es in der näheren Umgebung eine Reihe vergleichbarer Bauernhöfe gibt und das österreichische Denkmalschutzgesetz in solchen Fällen vorsieht, nicht jedes einzelne, sondern nur wenige, besonders repräsentative Beispiele für einen bestimmten Bautyp unter Schutz zu stellen. Prinzipiell ist das auch sinnvoll so, läuft man doch andernfalls Gefahr, das halbe Land in ein einziges Freilichtmuseum zu verwandeln. Dennoch erfüllt einen – oder erfüllt zumindest mich – der Anblick eines derart verfallenden Biedermeierbauernhofs unweigerlich mit Bedauern. Denn so sehr man sich auch wünschen würde, dass sich jemand fände, um das Gebäude wieder in Stand zu setzen, beschleicht einen doch das unbestimmte Gefühl, dass man den Bau nicht mehr vorfinden wird, wenn es einen in vielleicht zwei oder drei Jahren wieder nach Bad Waltersdorf verschlagen sollte.

[Update, Oktober 2017] Es hat mich seit dem Verfassen des obigen Beitrags noch nicht wieder nach Bad Waltersdorf verschlagen, meine Befürchtungen scheinen sich aber bestätigt zu haben: Die Satellitenansicht in google maps zeigt an der Stelle, wo das Haus stand, inzwischen nur noch ein leeres Feld.

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An old farmhouse from eastern Styria, with the kind of high-gabled, whitewashed facade typical for the region. The decorative details around the window suggest that this was built in the first half of the 19th century. Despite its (relatively) venerable age, this is not a listed building and so it has fallen into a bad state of disrepair. When looking at it, I couldn’t help but wonder whether this farmhouse will still be there if I should return to Bad Waltersdorf in, say, two or three years time.

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