Uhrmacherkeusche, Seckau (Steiermark)

Gleichsam als Kontrastprogramm zum vorigen Beitrag, diesmal ein wunderschön erhaltenes und gepflegtes „Bauernhaus“ aus einem ganz anderen Eck der Steiermark… Seckau liegt in der Nähe von Knittelfeld in einem Seitental des Murtals und ist vor allem für seine großartige romanische Abteikirche bekannt. Daneben finden sich in dem Ort aber auch zahlreiche interessante Häuser, deren Entstehung zum Teil bis ins 17. Jahrhundert zurückgeht und die – obwohl nicht unter Denkmalschutz stehend – mustergültig in Schuß gehalten sind. Besonders erfreulich für interessierte Besucherinnen und Besucher ist der Umstand, daß an all diesen alten Gebäuden auch Hinweistafeln angebracht sind, die Informationen zur Geschichte von Bauwerk und Bewohnern enthalten.

Dank einer solchen Tafel weiß ich nun auch, daß die hier gezeigte Uhrmacherkeusche erstmals 1713 als Pöllemayrkeusche urkundlich erwähnt wurde. Rund drei Jahrzehnte später hatte hier ein Tischler Wohnung und Werkstatt, ab 1807 schließlich der Uhrmacher Philipp Zach. Seiner Anwesenheit verdankt sich offenbar auch der bis heute überlieferte Hausname, auch wenn es nach Zachs Tod in den Besitz von Schuhmachern überging. Bemerkenswert an dem Namen ist auch, daß das Gebäude vom mittleren 18. Jahrhundert an wie es scheint durchgängig von Handwerkern bewohnt wurde, während man mit Keusche eigentlich ein kleines Bauernhaus bezeichnet (oder auch ein Kleinbauern-Haus, was aber in der Regel aufs Gleiche kommt). Das vor allem in Südösterreich verbreitete Wort stammt übrigens aus dem Slowenischen, wo koča bis heute in der Bedeutung von Hütte existiert.

In Seckau gibt es noch mehrere alte Keuschen, doch was die Uhrmacherkeusche vor den anderen hervobhebt ist, daß sie noch in der traditionellen Holzbauweise erhalten ist. Ich muß an dieser Stelle vielleicht dazusagen, daß ich selber aus dem nördlichen Burgenland stamme, aus dem Heideboden östlich des Neusiedlersees, wo Bäume rar sind und wo die Bauernhäuser früher Wände aus Lehmziegeln und Dächer aus Schilf hatten. Die für die alpineren Teile Österreichs so charakteristischen Holzbauten haben für mich daher immer ein wenig den Reiz des Fremden und Exotischen. Es ist so gesehen also naheliegend, daß mir unter all den alten Häusern in Seckau ausgerechnet die Uhrmacherkeusche als das Spannendste erschien – auch wenn sie mit dem windschiefen Zaun und dem kleinen Bauerngarten davor fast schon in Richtung Heimatkitsch abzudriften droht.

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In my own home region, up until the 20th century the traditional building materials had always been clay (for walls) and reed (for roofs). Therefore, I find the traditional timber buildings, so characteristic for the more Alpine parts of Austria, always slighty foreign and exotic – which, of course, only makes them seem more interesting to me. A fine example for such a building is this old cottage in Seckau (Styria) dating back to at least the early 18th century.

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