Gartenpavillon, Arenbergpark, Wien III

Den Arenbergpark im dritten Wiener Gemeindebezirk kennt man heute vor allem als Standort zweier Flaktürme aus dem Zweiten Weltkrieg. Recht unscheinbar wirkt im Schatten dieser beiden Betonriesen hingegen der nur Wenigen bekannte barocke Gartenpavillon am Nordrand des Parks, direkt an der Neulinggasse. Heute als Café genutzt, ist dieser kleine Bau die letzte noch sichtbare Erinnerung daran, daß der Arenbergpark aus einem spätbarocken Schloßpark heraus entstand. Wobei „heraus“ vielleicht das falsche Wort ist: Die barocke Anlage war deutlich größer als die heutige und wurde erst im frühen 20. Jahrhundert durch die Verbauung ihrer Randbereich auf die Größe des heutigen Parks reduziert.

Die ursprüngliche Gartenanlage gehörte zu einem kleinen Palais, das Fürst Nikolaus Esterházy 1785 an der Landstraßer Haupstraße als Sommerresidenz in der Wiener Vorstadt errichten ließ (zusätzlich zu seiner eigentlichen Sommerresidenz im ungarischen Fertöd, dem Schloß in Eisenstadt und dem Wiener Innenstadtpalais in der Wallnerstraße). Das Palais selbst wurde 1958 abgebrochen, übrig ist heute nur mehr der einst dazugehörige Gartenpavillon, der architektonisch ausgesprochen schlicht gestaltet ist. An drei Seiten sind jedoch in der obersten Wandzone längsrechteckige Reliefs angebracht, die sogenannte Chinoiserien zeigen.

Bei dieser im 18. Jahrhundert beliebten Dekorationsform handelt es sich – wie der Name schon suggeriert – um Darstellungen von Szenen aus China, meist um Szenen aus dem chinesischen Landleben, die dem europäischen Publikum eine ebenso heile wie exotische Welt vor Augen stellten. Einigermaßen ungewöhnlich ist hier nur, daß es sich um Reliefs am Außenbau handelt, waren Chinoiserien doch eine hauptsächlich als Wandmalereien, Tapeten oder Fließen in Innenräumen übliche Dekorationsform. Allerdings war die China-Mode keineswegs auf die Wanddekoration beschränkt, sondern erstreckte sich auch auf den Bereich der Architektur selbst: Vor allem in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts wurden in ganz Europa pseudo-chinesische Tempel, Pagoden und Teehäuser als Lustarchitekturen in Parks und Gärten errichtet. Und tatsächlich erkennt man bei genauerem Hinsehen, daß auch beim Pavillon im Arenbergpark das Dach an die charakteristische Form chinesischer Pagodendächer angelehnt ist.

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This late Baroque garden pavilion is all that remains of the Palais Esterhazy (built in 1785 and demolished in 1958) and its park, located in Vienna’s 3rd District, just off of Landstraßer Hauptstraße. The pavilion is decorated with reliefs showing chinoiseries, i.e. scenes from China, a hugely popular topic in 18th century palace decoration. What’s more, the small building has a pagoda-like roof to go with the Chinese theme.

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