Wohnhaus, Wien III

Der letztens hier schon erwähnte Arenbergpark war im 18. Jahrhundert als privater barocker Schloßpark angelegt worden, wurde aber im Jahr 1900 von der Stadt erworben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Damit einher ging allerdings eine Verkleinerung seiner Fläche, denn die Randbereiche wurden parzelliert und zur Bebauung freigegeben. Rund um den Park, am damals sogenannten Arenbergring (heute Dannebergplatz) entstanden zwischen 1906 und 1908 eine Reihe meist fünfgeschossiger großbürgerlicher Wohnhäuser.

Gleich acht dieser Bauten stammen von dem Architekten Georg Berger (1856- 1930), einem Vertreter des späten Historismus. Auch das Haus mit der Nummer Dannebergplatz 11 gilt als sein Werk, doch unterscheidet sich die Fassade dieses Gebäudes deutlich von Bergers übrigen, neo-barock geprägten Entwürfen: Vielmehr greift sie die Formen des Jugendstils auf, was sich vor allem im geometrischen Dekor aus blauen Kacheln, aber auch am Reliefschmuck und an den mit Gold akzentuierten vegetabilen Mustern des Portals zeigt. Man hat daher gemutmaßt, daß die Fassadengestaltung in diesem Fall nicht auf Berger, sondern auf seinen Kollegen Heinrich Kestel (1864 – 1942) zurückgeht. Zwar bildete auch für Kestel der Neobarock den Ausgangspunkt des architektonischen Schaffens, in den Jahren nach 1900 wandte er sich jedoch mehr und mehr einer von Secession und Wiener Werkstätte geprägten Formensprache zu.

Aber ganz egal von wem die Fassade der Hausnummer 11 nun eigentlich stammt, in jedem Fall ist sie ein prägnantes Beispiel dafür, daß es auch abseits der bekannten Bauten Otto Wagners oder Joseph Marias Olbrichs in Wien so manches an Jugendstilarchitektur zu entdecken gibt. Zugleich erinnert sie aber auch daran, daß der in den 1890ern noch so revolutionäre Jugendstil in den Jahren nach 1900 bereits salonfähig geworden war und nun den Architekten der späten Ringstraßenzeit als eine von vielen mehr oder minder gleichberechtigten Stiloptionen zur Verfügung stand.

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In 1900, the Baroque garden mentioned in my last post, was bought by Vienna’s city council and turned into a public park. Its margins, however, were converted into building sites and in 1906-1908 a series of terraced houses was erected, most of them designed in the Baroque Revival style by architect Georg Berger (1856 – 1930). Among them, the house Dannebergplatz 11 stands out, presenting a beautiful art-nouveau facade. Presumably designed not by Berger but by his colleague Heinrich Kestel (1864 – 1942), this facade is prove that Vienna’s art-nouveau architecture has more to offer than just the big names like Otto Wagner or Joseph Maria Olbrich.

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