Zeller-Haus, Innsbruck (Tirol)

Kaiseradler

Seit rund einem Monat läuft in der Wiener Albertina die absolut sehenswerte Ausstellung Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürer-Zeit (noch bis 6.1.2013). An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit stehend, gilt Maximilian I. (1459 – 1519) heute als eine der ersten „modernen“ Herrscherfiguren – unter anderem, weil er als einer der ersten das damals noch recht neue Medium der Druckgraphik (also Holzschnitt und Kupferstich) in großem Stil als Mittel der Herrschaftsrepräsentation und -propaganda einsetzte. Ein Medium, das es erstmals ermöglichte, Bilder in größerer Zahl zu vervielfältigen und zu verbreiten.

Daneben aber bedienten Maximilian und sein Hof sich natürlich auch weiterhin weit traditionellerer Bildmedien wie etwa der Wandmalerei – ein Aspekt, der sich in Ausstellungen nur sehr bedingt darstellen lässt. Wer sich für maximilianische Wandmalerei interessiert, wird denn auch bei einem Spaziergang durch die Innsbrucker Altstadt weit eher fündig als bei einem Besuch im Museum: Neben den Malereien an der Rückwand des berühmten Goldenen Dachls ist hier vor allem das Gewölbe in den Lauben des Zeller-Hauses zu nennen, das kurz vor Ende des 15. Jahrhunderts mit heraldischen Fresken dekoriert wurde. Das Haus in der Herzog-Friedrich-Straße hat seinen Namen von der Innsbrucker Bürgerfamilie Zeller, in deren Besitz es sich von ca. 1485 bis 1543 befand. Wie die meisten Häuser in dieser Straße ist das Erdgeschoß in Form eines Laubengangs zur Straße hin geöffnet, doch ist es das einzige, in dem sich eine spätmittelalterliche Gewölbebemalung erhalten hat.

Die Malereien entstanden im Auftrag von Walter Zeller dem Älteren, der 1495 zum Innsbrucker Stadtrichter ernannte wurde. Während dieses Amt aber üblicherweise nur die Niedere Gerichtsbarkeit umfasste, wurde Zeller von Maximilian I. auch die Hohe oder Blutsgerichtsbarkeit zuerkannt. Wohl in Zusammenhang mit dieser persönlichen Auszeichnung durch den Kaiser ließ Zeller die malerische Dekoration an seinem Haus anbringen, bezieht sie sich doch in unmissverständlicher Weise auf Maximilian: Neben dem zentral dargestellten Wappen Maximilians erblickt man im Gewölbe auch mehrfach dessen persönliches Emblem, das Feuereisen, sowie die Wappen weiterer habsburgischer Länder und Territorien von Spanien bis Kroatien. Gewissermaßen den Höhepunkt des Ganzen bildet aber der eingangs abgebildete Quaternionenadler, eine besonders elaborierte Variante des doppelköpfigen Reichsadlers. Bei dieser außergewöhnlichen Bildform sind den Flügelfedern des Adlers die Wappen der verschiedenen Reichsstände, in Vierergruppen (Quaternionen) zusammengefasst, eingeschrieben. Ein vor die Brust des Adlers platziertes Kruzifix und Heiligenscheine an den beiden Köpfen unterstreichen zusätzlich den Aspekt des Heiligen im Heiligen Römischen Reich. Ein Umstand, der noch dadurch hervorgehoben wird, dass der Quaternionenadler von den Wappen der vier gesalbten Könige – Frankreich, England, Sizilien und Schottland – umgeben ist.

Bezeichnenderweise findet man den Quaternionenadler dann im frühen 16. Jahrhundert vor allem im von Maximilian so geschätzten Medium der Druckgraphik (vgl. etwa hier). Die Wandmalereien am Innsbrucker Zeller-Haus sind daher ein beredtes Beispiel dafür, dass es vieles, was in den damals neuen Medien zur Darstellung gelangte, zur gleichen Zeit auch in der altmodischeren „Kunst am Bau“-Ausführung gab.

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In c. 1495 Walter Zeller the Elder, town magistrate in Innsbruck, had the vaults of his house’s portico painted with an elaborate heraldic scheme. It shows a set of emblems, mottos and coats of arms more or less directly connected with emperor Maximilian I. of Habsburg who had chosen Innsbruck as his favourite residence. Of particular interest among them is the heraldic representation of the Holy Roman Empire in the guise of the so-called Quaternion Eagle or Quarter Eagle. This highly unusual image (cf. first photo above) shows the shields of the Imperial Estates arranged in groups of four on the feathers of the double-headed Imperial Eagle, thus representing the totality of the Empire rather than the person of the emperor.

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