Ehm. Kaffeehaus, Mauerbach (Niederösterreich)

Sommerfrische?

Ich gebe zu, der heutige Post ist eigentlich ein reines Zufallsprodukt: Nachdem letzte Nacht tatsächlich wie vorausgesagt der erste Schnee des nahenden Winters gefallen war, machte ich mich heute morgen auf zu einer Wanderung im Wienerwald, um den ungewöhnlichen, aber reizvollen Anblick von frisch gefallenem Schnee in und auf noch herbstlich-roten Wäldern zu genießen. Als Ausgangspunkt wählte ich Mauerbach, nur wenige Kilometer außerhalb von Wien gelegen, wo ich direkt an der Hauptstraße auf die nun hier gezeigte Holzfassade stieß.

Das allem Anschein nach aus der Zeit des Fin de siècle stammende Gebäude wird heute offenbar als Wohnhaus genutzt, doch zeigt die prominente Aufschrift direkt unter dem Ziergiebel, dass es ursprünglich wohl als Kaffeehaus diente. Dazu passt der zwischen Wintergarten und Veranda schwankende hölzerne Vorbau mit seinen großen Fenstern, der dem Haus zur Straße hin vorgesetzt ist. Er zog von außen wohl sofort die Blicke potentieller Besucher auf sich, während er von innen einen weit reichenden Ausblick bot. Und Besucher hatte Mauerbach im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert sicherlich zuhauf: Wie viele andere Orte im Wienerwald war es ein beliebter Sommerfrischeort, der vom Wiener Stadtbürgertum gerne zur Erholung aufgesucht wurde. Sommerfrischler benötigten natürlich entsprechende Infrastruktur, und so entstanden im Wienerwald und anderswo, wie etwa am Semmering, ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche neue Hotels, Pensionen, Restaurants und ganz offensichtlich auch Kaffeehäuser.

Wie ein Großteil dieser Sommerfrischenarchitektur ist auch die Kaffeehaus-Veranda in Mauerbach im damals beliebten Heimatstil ausgeführt. Charakteristisch dafür war der Rückgriff auf traditionelle Bauformen aus der ländlichen Architektur, vor allem aus dem alpinen Raum, die auf dekorative Weise eingesetzt wurden und dem Stil auch die Bezeichnung Schweizerhaus– oder Tirolerhaus-Stil einbrachten. Charakteristisch war nicht zuletzt auch die daraus abgeleitete Verwendung von Holz als Baumaterial, vor allem für hervorgehobene Bauteile wie Ecktürme oder eben Veranden – alternativ wird daher auch manchmal das Etikett Laubsägestil verwendet. Eine Bezeichnung, die auch hervorragend zu dem Beispiel aus Mauerbach paßt, wo die hölzernen Parapetfelder mit einem aufwendigen, durchbrochen gearbeiteten Ornament verziert sind und auch heute noch einen Blickfang darstellen – auch wenn sie über der Gartenhecke nur mir Müh und Not zu sehen sind…

*******

A former Café in Mauerbach, located in the Wienerwald region just outside of Vienna. Presumably, this was built around 1900 when Mauerbach was a popular destination for tourists from the Viennese upper class, especially during the summer months.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Niederösterreich abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Ehm. Kaffeehaus, Mauerbach (Niederösterreich)

  1. Gabi schreibt:

    Das sieht sehr hübsch aus. Interessanter Bericht.
    LG Gabi

    • c. n. opitz schreibt:

      Vielen Dank für den netten Kommentar! Nur schade, daß ich nicht mehr über das Gebäude und seine Geschichte herausfinden konnte. Dabei gäb’s wahrscheinlich in Mauerbauch selber eh Leute, die was dazu wüßten – aber bei dem kalten Wetter war natürlich niemand auf der Straße, den ich hätte fragen können…

  2. Pingback: Burgkapelle Hl. Martin, Schloss Schrattenthal (Niederösterreich) « Baudenkmäler in Österreich

  3. zeichenundspuren schreibt:

    Wirklich allesamt schöne und spannende Entdeckungen, die hier präsentiert werden! Das Café in Mauerbach fiel mir bei meinem Besuch (der allerdings schon zwei Jahre zurückliegt) auch auf – genauso wie in der Nähe ein halbverfallener Klinkerbau – Magazin, Stallungen oder etwas in der Richtung.

    • c. n. opitz schreibt:

      Danke! Ja, Mauerbach ist so ein Ort, wo es durchaus einiges an interessanten Häusern und Bauwerken zu entdecken gibt. Und ich denke, das eine oder andere davon wird über kurz oder lang auch hier im Blog auftauchen…

  4. Thomas Fressner schreibt:

    Also das Gebäude ist über 100 Jahre alt und wurde in den 80er Jahren des Vorvorigen Jahrhunderts erbaut und dann bis zur Schließung 1980 als Cafehaus verwendet. Seitdem steht es leer. Leider.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s