Burgkapelle Hl. Martin, Schloss Schrattenthal (Niederösterreich)

Tag des Denkmals 2012

Nachdem wir nun den ersten Schnee, die Zeitumstellung und Allerheiligen hinter uns haben, hier ein Bild von einem sonnigen Septembertag als Kontrastprogramm zum nun herrschenden Novembergrau… Genauer gesagt habe ich das obige Photo am 30. September aufgenommen, an dem, wie Manche sich vielleicht erinnern, der österreichische Tag des Denkmals abgehalten wurde. Aus diesem Anlass war auch das sonst nur sehr eingeschränkt zugängliche Schloss in Schrattenthal im Weinviertel für das Publikum geöffnet, und ich denke, alle die so wie ich dort waren werden mir zustimmen, dass der Besuch ausgesprochen lohnenswert war.

Am Rande eines weiten, idyllischen Parks gelegen hat das Schloss von mittelalterlichen Wehrtürmen über Wirtschaftsgebäude aus Renaissance und Barock bis zu Gartenbauten des 19. Jahrhunderts ein ungemein großes Spektrum unterschiedlicher Bautypen und -stile zu bieten. Das Highlight bildet aber doch die spätgotische Kapelle im Schlosshof, die erst unlängst restauriert wurde. Der im Inneren recht schlichte Bau wurde von 1436 bis 1438 weitgehend freistehend errichtet; nur die schmale Ostwand schließt an den Hauptbau des Schlosses an. Auffälligstes Merkmal der Kapelle ist am Außenbau der mit kleinen, schießscharten-artigen Fenstern versehene Wehrgang, der auf den Strebepfeilern ruhend direkt unterhalb der Dachtraufe verläuft.

Es handelt sich also um eine Art Wehrkirche, wie man sie in Österreich vor allem aus der Buckligen Welt oder auch aus Kärnten kennt, jenen Gegenden also, die im 15. Jahrhundert in der Einzugsschneise des wiederholt einfallenden osmanischen Heeres lagen. In Schrattenthal allerdings war es ein anderer Feind, gegen den es sich zu wappnen galt: Im nordwestlichen Weinviertel, nicht weit von der tschechischen Grenze gelegen, zählte Schrattenthal zu jenen Orten, die sich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gegen die aus Böhmen einfallenden Hussiten zur Wehr setzen mussten. Tatsächlich war dies der Anlass, aus dem heraus der damalige Herr über Schrattenthal, Ulrich von Eyczing, die zuvor relativ unbedeutende Befestigung ab 1435 zu einer Wasserburg ausbauen ließ. Von den unter Ulrich errichteten Bauten ist nur die Kapelle bis heute unverändert erhalten – auch wenn sie im Lauf der Jahrhunderte von der Burg- zur Schlosskapelle geworden ist. Aber ohnehin musste sie ihre Wehrhaftigkeit nie unter Beweis stellen, denn als sie 1338 fertig gestellt war, waren auch die Hussitenkriege bereits wieder zu Ende…

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One of the sites I visited in the course of the Austrian Heritage Day on September 30, 2012. Built from 1436 to 1438 the late Gothic chapel of Schrattenthal Castle is most notable for the parapet walk running around its wall just below the roof line. These fortifications were added because the building is located in a part of Lower Austria not far from the Bohemian border which, in the first half of the 15th century, was frequently under attack from the Hussite forces.

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