Wintergarten, Palais Salm, Wien III

Es fällt vielleicht schwer zu glauben, aber im 18. und frühen 19. Jahrhundert bestand Wiens Dritter Bezirk, Landstraße, zu einem nicht unerheblichen Teil aus Adelspalais mit dazugehörigen Parkanlagen. Vor allem von den teils recht weitläufigen Parks findet sich heute – bis auf einzelne Ausnahmen – kaum noch eine Spur, aber das eine oder andere Palais lässt sich bei genauem Hinschauen durchaus noch entdecken. Und genau hinschauen muss man beim Palais Salm: Die Gartenfassade mit klassizistischer Kolonnade ist heute gut versteckt und nicht öffentlich zugänglich, zur Straße hin präsentiert sich der Bau aus dem Jahr 1828 dagegen als klein und unscheinbar und unterscheidet sich kaum von schlichten Bürgerhäusern jener Zeit.

Das auffälligste Merkmal des Gebäudes bildet denn auch ein Zubau aus späterer Zeit. Schon 1851 war an das Palais zur Rasumofskygasse hin ein seitlicher Pavillon angebaut worden, und am Beginn des 20. Jahrhunderts wurde auf diesen Pavillon ein verglaster Wintergarten gesetzt. Wintergärten als Teile von Wohnhäusern, wie wir sie heute kennen, hatten ihren Ursprung im viktorianischen England, kamen aber ab etwa 1880 auch in Mitteleuropa zunehmend in Mode. Der Siegeszug dieser meist als Eisen-Glas-Konstruktionen errichteten Bauten hing natürlich nicht zuletzt mit den damals gemachten Fortschritten sowohl in der Glas- als auch in der Eisenerzeugung zusammen, die solche Glashäuser zunehmend nicht mehr nur für den Adel, sondern auch für das Bürgertum erschwinglich machten.

Im Fall des Palais Salm war es der Verleger und Buchhändler Max Herzig (1863 – 1912), der den Wintergarten hinzufügen ließ, nachdem er das Palais 1902 erworben hatte. Als Verleger arbeitete Herzig regelmäßig mit den Künstlern der Wiener Sezession zusammen, die für die Ausstattung der von ihm herausgegebenen Prachtbände sorgten. Zudem trat er auch sonst als Förderer sowohl der Sezession als auch des Wiener Künstlerhauses in Erscheinung. Einer jener Vertreter des Großbürgertums also, die sich – was in Wien ja weder selbstverständlich war noch ist – der Moderne gegenüber ausgesprochen aufgeschlossen zeigten. Dass er an sein Wohnhaus ein für damalige Verhältnisse modernes, um nicht zu sagen ’stylisches‘ Glashaus anbauen ließ, fügt sich da hervorragend ins Bild…

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An early 20th century conservatory attached to an early 19th century palace, the Palais Salm, in Vienna’s Third District, an area which is quite central nowadays, but back then had a predominantly suburban character. As is well known, conservatories originated in Victorian England, but from c. 1880 onwards they became highly fashionable in Central Europe as well. In the case of the Palais Salm, the conservatory was built for Max Herzig (1863 – 1912), a wealthy publisher associated with the Viennese Secession, who had bought the Palais in 1902.

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