Ehm. Eisenhandlung, Wien XXIII

Maurer Hausbeschriftungen (1)

Der im Südwesten Wiens gelegene Stadtteil Mauer war bis 1938 eine eigenständige Gemeinde und hat sich zumindest in baulicher Hinsicht bis heute den Charakter eines selbständigen Ortes bewahrt. Am Hauptplatz fühlt man sich ganz wie in einer niederösterreichischen Kleinstadt, und nur die Straßenbahn erinnert daran, dass man sich in der Bundeshauptstadt befindet. Andere Teile des Ortsgebiets wirken sogar geradezu ländlich, etwa die Maurer Lange Gasse, in der man noch alte Bauernhöfe und eingeschossige Dorfhäuser findet. Eines davon hat meine besondere Aufmerksamkeit erregt, als ich die Gasse letzte Woche auf dem Weg zur Wotrubakirche hinaufspaziert bin. Das heißt, genau genommen hat nicht das Haus an sich mein Interesse geweckt, sondern die alte Geschäftsfront einer offenbar schon lange aufgelassenen Eisenhandlung.

Während ich in meinem vorigen Post zur Wotrubakirche sehr präzise Angaben zur Entstehungszeit des Baus machen konnte, kann ich bei einem Stück Alltagsarchitektur wie diesem offen gesagt nur Mutmaßungen über sein Alter anstellen. Zuerst dachte ich beim Anblick der Geschäftsfront an die 1950er Jahre, aber inzwischen frage ich mich, ob sie nicht noch um einiges älter ist. Konkrete Anhaltspunkte liefert freilich nur der auffällige, plastisch hervortretende Schriftzug über Auslage und Eingangstür. Die Buchstaben zeichnen sich vor allem durch stark unterschiedliche Strichstärken und ausgeprägte, schräge Serife aus – ähnliche Schrifttypen findet man an manchen Wiener Gemeindebauten aus den 1920ern, weshalb man vielleicht auch für die Maurer Eisenhandlung eine Entstehung in dieser Zeit annehmen kann. Allerdings bin ich beileibe kein Experte in Sachen Typographie. Falls also jemand Genaueres zu der Schrift sagen kann, bin ich für Hinweise bzw. Korrekturen natürlich dankbar.

In die 1920er Jahre würde meiner Meinung nach aber auch die schnörkellose Geradlinigkeit der Geschäftsfront gut passen. Die Hausfassade kommt eigentlich ganz ohne Zierelemente aus, der auffällige rote Schriftzug sticht daher besonders ins Auge, bildet so etwas wie einen Blickfang. Auch die Bemalung der Dachtraufe sowie der Tür- und Fensterrahmen ist – zumindest im heutigen Zustand – farblich auf die Schrift abgestimmt und verleiht der Fassade durch den Kontrast mit den vorherrschenden Weiß- und Grautönen ein wenig Spannung. Dennoch ist der Gesamteindruck von Klarheit und Geschlossenheit geprägt – ein Eindruck, der natürlich durch die heruntergelassenen Rollläden wesentlich begünstigt wird. Bei geöffneten Rollläden und voller Auslage muss die Geschäftsfront einst wesentlich belebter und abwechslungsreicher gewirkt haben.

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When visting the quite spectacular Wotrubakirche in Mauer (in the south-western part of Vienna) last week, I came by this much more unassuming old storefront. By the look of it, this shop has been out of business for some time, but the prominent red lettering on the facade informs us that this was once an ironmongers. While I’m not an expert on typography, I have seen similar types of letters on Viennese council houses built in the 1920s, so I guess the storefront in Mauer might date to that period too.

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