Wohnhaus, Wien XXIII

Maurer Hausbeschriftungen (2)

Ich habe es hier glaube ich noch nicht explizit gesagt, mache aber an sich kein Geheimnis daraus, dass die Grundidee dieses Blogs von Philip Wilkinsons English Buildings Blog geklaut geborgt ist. In den letzten beiden Monaten gab es nun auf Philips Blog so etwas wie eine kleine Serie zu Inschriften und Beschriftungen an Bauwerken, Elementen, die man oft gar nicht wahrnimmt, die aber in vielen Fällen wesentlich zum Gesamteindruck eines Gebäudes beitragen. Zwar hatte ich an sich nicht vor, auch dieses Feature hier aufzugreifen, aber die Lektüre von Philips Beiträgen hat mich für das Thema doch merklich sensibilisiert. Als ich letztens im Wiener Stadtteil Mauer unterwegs war, konnte ich gar nicht darum herum, an allen Ecken und Enden irgendwelche Schriftzüge an Hausfassaden wahrzunehmen. Über einen davon hab ich hier ja vor wenigen Tagen schon berichtet, ein anderer stach mir am Maurer Hauptplatz, direkt gegenüber der Kirche ins Auge…

Letzterer befindet sich über einer der Türen eines Wohnhauses aus der Gründerzeit, genauer gesagt aus dem Jahr 1915. Die Jahreszahl ist – auch auf dem obigen Photo – in einem ornamentalen, eisernen Gitter im oberen Abschluss der Tür nicht ganz einfach, aber doch zu erkennen. Darüber, gleichsam als Relief aus der Wand herausgearbeitet, nennt eine Inschrift den Namen des Erbauers des Gebäudes: Baumeister Johann Kernast. Während die Rankenornamentik des Türgitters, aber auch die reliefierten Girlanden über dem Schriftzug recht deutlich der Formensprache der Neo-Renaissance folgen, zeigen die schlanken, eleganten Buchstaben eine eindeutige Tendenz zum Jugendstil.

Der hier genannte Johann Kernast war in den Jahren vor und nach 1900 für eine ganze Reihe von Bauten in Wien und Umgebung verantwortlich, teils als ausführender Baumeister, teils aber auch als entwerfender Architekt. Es liegt daher wohl nahe, seinen Namenszug an dem Haus am Maurer Hauptplatz als eine Art Architekten-Signatur zu sehen. Andererseits erinnert die Anbringung direkt über einer der Türen auch an so etwas wie ein Firmenschild. Sollte der Baumeister hier am Ende sein Büro und/oder seine Wohnung gehabt haben? Denkbar wäre das immerhin, denn Kernast dürfte um 1915 tatsächlich in Mauer ansässig gewesen sein: Die Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins erwähnt ihn im Jahr 1914 als Mitglied des Maurer Gemeinderats.

*******

I make no secret of the fact that the overall concept of this blog is blatantly copied from inspired by Philip Wilkinson’s English Buildings blog. Over the past couple of months, Philip’s blog featured a series of interesting sets of letters and inscriptions found on buildings, and this has made me more perceptive of these things as well. So here is yet another inscription I couldn’t help but notice on my recent trip to Mauer, in south-western Vienna… It is found over the entrance to a townhouse built in 1915 and commemorates the name of its architect, one Johann Kernast, who was a resident of Mauer at that time. The lettering in this case is clearly influenced by the elegant lines of art-nouveau typohgraphy.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Wien abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Wohnhaus, Wien XXIII

  1. Alex GG schreibt:

    Coole Tafel! Das werd ich meinem Kumpel empfehlen, die sollen sich das bei ihrer Firma http://www.koenig-heinrich.at/einzelgewerke/baumeister auch so schick einrichten :D Theoretisch kann ja ein Baumeister sowas selber… ;)

  2. Johann Kernast schreibt:

    Hallo,bin sehr erstaunt und Gleizeitig erfreut,etwas über einen Familienangehörigen,Namens Johann Kernast,zu lesen. Da ich den gleichen Namen trage und natürlich immer gedacht habe,dass es den Namen “ Kernast“ ,außer im Umfeld der Familie,nicht gibt. Danke für den Beitrag. Grüße Johann Kernast/Germany

    • c. n. opitz schreibt:

      Danke für den netten Kommentar! Zur Familiengeschichte des Baumeisters Kernast kann ich dank eines alten Zeitungsartikels übrigens noch ergänzen, dass seine „Vorfahren aus Nordbayern über das damals deutsche Banat Südungarns nach Wien kamen“ (Neues Wiener Tagblatt, 17. Juli 1938).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s