Ehm. k. und k. Militär-Conservenfabrik, Bruckneudorf (Burgenland)

Schon die längste Zeit wollte ich hier etwas zur früheren k. und k. Militär-Conservenfabrik in Bruckneudorf posten. Dass ich jetzt erst dazu komme, ist aber vielleicht gar nicht so schlecht: Da in der Fabrik unter anderem auch Fleischkonserven hergestellt wurden, hat das Ganze in der Zwischenzeit ja so etwas wie einen aktuellen Bezug bekommen – auch wenn sich heute natürlich nicht mehr sagen lässt, ob in der schon 1919 geschlossenen Anlage etwa auch nicht-deklariertes Pferdefleisch verarbeitet wurde. Es gibt allerdings tatsächlich eine prominente Stimme, die Zweifel an der Qualität der in Bruckneudorf produzierten Lebensmittel aufkommen lässt: In den ab 1921 erschienenen Abenteuern des braven Soldaten Schwejk behauptet der Autor Jaroslav Hašek, dass hier „verfaulte Sehnen, Hufe, Klauen und Knochen” zu Suppenkonserven verarbeitet wurden…

Aber der Reihe nach: In den 1860ern war gleich neben Bruck an der Leitha ein Heereslager errichtet worden. Während aber Bruck selbst damals wie heute zu Niederösterreich gehört(e), erfolgte die Anlage des Lagers bereits jenseits der Grenze auf ungarischem (heute burgenländischem) Gebiet, wo sich aus der militärischen Barackensiedlung rasch der eigenständige Ort Bruckneudorf entwickelte. Als Teil dieser Entwicklung ist auch die Ansiedlung der Konservenfabrik anzusehen. Diese wurde 1896 in Abstimmung mit der Heeresverwaltung durch den Wiener Fabrikanten Carl Littmann errichtet und ging schon im Frühjahr 1897 in Betrieb.

Die Kürze der Bauzeit überrascht ein wenig, betrachtet man die doch recht aufwendige Gestaltung der Fassaden: Türmchen, Zinnen und Treppengiebel verleihen der Anlage ein geradezu romantisches Gepräge, das Zusammenspiel von glatt verputzten Wandflächen und gliedernden Sichtziegel-Elementen erzeugt optisch reizvolle Kontraste. Der verantwortliche Architekt Rudolf Breuer (1857 – 1936) schuf hier einen Bau, der nicht ohne Grund als „eines der schönsten Beispiele des romantischen Industriebaus in Österreich“ bezeichnet wurde.* Es nimmt daher nicht wunder, dass die ehemalige Konservenfabrik heute unter Denkmalschutz steht – ein Umstand, der wohl wesentlich mitverantwortlich dafür ist, dass das Gebäude sich heute in wesentlich besserem Erhaltungszustand präsentiert als die meisten Industriebauten aus der k. und k. Zeit. Andererseits liegt das aber sicher auch daran, dass zumindest große Teile der Anlage bis heute als Geschäfts- und Vereinslokale genutzt werden.

Nur an der Nordwest-Seite – die von der Straße aus nur schwer einsehbar ist – zeigt sich die Fassade in deutlich schlechterem Zustand. Hier erinnern abblätternder Verputz und verschmutztes Ziegelwerk eindringlich daran, dass die k. und k. Militär-Conservenfabrik schon im Jahr 1918 den Betrieb eingestellt hatte – und dass die erhaltene Anlage, bei allem architektonischen Aufwand, letztlich eben doch nur eine weitere jener stillgelegten Fabriken ist, deren große Tage schon seit langem vorbei sind.

——-

* Manfred Wehdorn u. Ute Georgeacopol-Winischofer, Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich. Band 1: Wien – Niederösterreich – Burgenland, Wien 1984, S. 272.

——-

Built in 1896, the former Canning Factory in Bruckneudorf is rightly considered one of the most outstanding examples of industrial architecture from the Habsburg Empire to survive in Austria. Designed by Rudolf Breuer, the building is characterised by the use of merlons and turrets as decorative elements as well as by the contrast between smooth plaster and bare brick.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Burgenland abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Ehm. k. und k. Militär-Conservenfabrik, Bruckneudorf (Burgenland)

  1. zeichenundspuren schreibt:

    Ist schon eine der interessantesten historischen Fabriken in Ost-Österreich – und im Bestand relativ gesichert – leider ist ja gerade auf dem Gebiet der Industriearchitektur ungeheuer viel wertvolles und denkmal-würdiges zerstört worden…
    PS. Wie sieht es eigentlich bei der „Erbse“ ums Eck aus?

    • c. n. opitz schreibt:

      Soweit ich weiß wird die „Erbse“ nach wie vor als Kultur-/Veranstaltungszentrum genutzt, steht also zumindest nicht leer. Wirklich prekär wird die Situation für alte Industriebauten ja meistens erst, wenn sich keine Nutzung mehr für sie findet und sie mal eine Weile leer gestanden sind. Hoffen wir also das Beste…
      Und was den Bauzustand der „Erbse“ betrifft, kann ich zumindest für die Hofseite ein aktuelles Photo beisteuern. (Das Bild ist – wie auch die übrigen in dem Post – von Mitte Januar.)

  2. Karl Gruber schreibt:

    Es ist interessant, dass Wehdorn schreibt, „Während des Zweiten Weltkriegs lief die Konservenerzeugung für die Frontsoldaten auf Hochtouren. Nach Kriegsende musste die Fabrik stillgelegt werden. (mit Google Books auffindbar – S272) – während hier fast wortgleich steht:
    Während des Ersten Weltkriegs lief die Konservenerzeugung für die Frontsoldaten auf Hochtouren. …Nach Kriegsende musste die Fabrik stillgelegt werden.

    Also einmal erster und einmal zweiter Weltkrieg – ich glaube da handelt sich um einen Abschreibfehler.

  3. Karl Gruber schreibt:

    Sorry, das steht bei Erbse.at , aber auch hier steht ..dass die k. und k. Militär-Conservenfabrik schon im Jahr 1918 den Betrieb eingestellt hatte – im Gegensatz zu Wehdorfn

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s