Verbindungsgang, Pürgg (Steiermark)

Holzweg

Das steirische Pürgg hat – wie letztens schon erwähnt – eine ganze Reihe sehenswerter alter Gebäude zu bieten, ganz zu schweigen von einem der wichtigsten Freskenzyklen der Romanik in ganz Österreich. Was es mir bei meinem Besuch dort am vergangenen Wochenende aber ganz besonders angetan hat, ist dieser hölzerne Verbindungsgang zwischen der Kirche und dem danebengelegenen Pfarrhof.

Solche Verbindungsgänge in luftiger Höhe waren in früheren Jahrhunderten verbreiteter als man vielleicht vermuten würde, und durchaus auch im großen Stil: Schon im 15. Jahrhundert wollte Kaiser Friedrich III. in Wien einen hölzernen Gang anlegen lassen, der teils auf Stützen, teils entlang der Hausfassaden die Hofburg mit dem Stephansdom verbinden sollte. Der Gang hätte die stattliche Länge von rund 750 Metern erreicht, doch aufgrund der Eroberung Wiens durch den ungarischen König Matthias Corvinus im Jahr 1485 wurde dann doch nichts aus dem ambitionierten Projekt. Mehr Erfolg hatte im 16. Jahrhundert Großherzog Cosimo de‘ Medici in Florenz. Der in seinem Auftrag von Giorgio Vasari geschaffene Korridor (Corridoio Vasariano) verbindet bis heute den Palazzo Pitti mit den Uffizien; bekannt ist vor allem das Teilstück über dem Ponte Vecchio. Etwas näher an der österreichischen Grenze gibt es ein weitläufiges Netz solcher Verbindungsgänge auch noch in Krumau (Český Krumlov), wo es das Schloss mit dem Minoritenkloster, aber auch verschiedene Teile des Schlosses untereinander verbindet.

Solche Gänge ermöglichten es Fürsten und hochrangigen Persönlichkeiten, von A nach B zu gelangen, ohne in den Regen zu geraten, ohne sich Schuhe und Strümpfe schmutzig zu machen und nicht zuletzt ohne sich unters gemeine Volk auf der Straße mischen zu müssen. Vor allem im Zeitalter des Barock – als ein Pfarrer noch ein Pfarrherr war – entstanden derartige Verbindungsgänge daher recht häufig zwischen Kirchen und den dazugehörigen Pfarrhöfen. Auch der Gang in Pürgg stammt aus dieser Zeit. In der Kirche mündet er in ein über der Sakristei gelegenes Oratorium, das in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet wurde. Der rund zehn Meter lange Verbindungsgang zum Pfarrhof wurde wohl gleichzeitig oder aber kurz darauf angelegt. Den lokalen Gepflogenheiten folgend, wurde er ganz in Holz ausgeführt, nur der Pfeiler, der ihn in der Mitte stützt, ist gemauert. Im frühen 18. Jahrhundert wurde an diesem Pfeiler dann ein Fresko des Heiligen Michael angebracht, wohl nach dem Motto: Wenn das Ding hier schon herumsteht, dann nutzen wir es doch gleich als Bildstock…

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An enclosed passageway in the Styrian village of Pürgg, connecting the Parish Church with the neighbouring rectory. Such passageways were once quite common, even on a much grander scale, as the Corridoio Vasariano in Florence still attests. The much more modest wooden example in Pürgg presumably dates to the second half of the 17th century.

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