Burgtor, Rottenmann (Steiermark)

Ich habe es hier schon einmal gesagt (und werde es vermutlich auch irgendwann in Zukunft nochmal sagen), ich finde Holz als Baustoff ausgesprochen faszinierend – sicher nicht zuletzt, weil ich aus dem Seewinkel komme, wo  traditionellerweise eigentlich nur Lehmziegel und, für die Dächer, Schilf als Baumaterialien verwendet wurden, einfach weil  aufgrund der natürlichen Gegebenheiten nichts Anderes zur Verfügung stand. In anderen Gegenden spielte Holz dagegen von jeher eine wesentlich bedeutendere Rolle und zwar nicht nur, wie man vielleicht vermutet, in der bäuerlichen Architektur, sondern auch im städtischen Bereich. Noch bis ins 19. Jahrhundert waren etwa in Wiener Innenhöfen hölzerne Pawlatschen gang und gäbe, und die Stadthäuser des Mittelalters etwa bestanden in der Regel überhaupt aus einem gemauerten Erdgeschoß, dem ein oder mehrere Obergeschoss(e) in Holzbauweise aufgesetzt war(en).

Insofern kann es nicht verwunden, dass auch das letzte noch bestehende mittelalterliche Stadttor von Rottenmann, das sogenannte Burgtor, durch einen hölzernen Zubau erweitert wurde. Aber natürlich nur auf der zur Stadt gelegenen Seite, wo der Aspekt der Wehrhaftigkeit eher vernachlässigt werden konnte als auf der Feldseite. Allerdings kann es durchaus sein, dass dieser hölzerner Anbau erst aus einer Zeit stammt als das Tor seine Wehrfunktion ohnehin längst verloren hatte und offenbar im Obergeschoss zu Wohnzwecken adaptiert worden war (wovon ja auch der Rauchfang zeugt). Wann genau das war, entzieht sich leider meiner Kenntnis – weder das Dehio-Handbuch zur Steiermark noch die lokalgeschichtliche Literatur zu Rottenmann gehen auf dieses bescheidene Stück Gebrauchsarchitektur ein (und zum hier relevanten Bezirk Liezen gibt es auch noch keinen Band der Österreichischen Kunsttopographie, der vielleicht hätte Auskunft geben können).

Man kann aber wohl davon ausgehen, dass der Anbau spätestens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte, als das Burgtor sich bereits nachweislich in Privatbesitz befand. Diesen Besitzverhältnissen verdankt sich auch der Umstand, dass das Burgtor als einziges der ehemals fünf Stadttore Rottenmanns nicht geschleift wurde, als man Mitte des 19. Jahrhunderts daran ging, die zum Verkehrshindernis gewordenen alten Tore zu beseitigen.

Das Burgtor ist allerdings nicht nur das letzte bestehende Stadttor in Rottenmann, sondern – wie schon der Name suggeriert – auch das letzte Überbleibsel jener Burg, die einst den südlichen Abschluss der Stadt befestigte. Genau genommen war diese Burg sogar einiges älter als die Stadt: Schon seit dem 11. Jahrhundert sicherte sie die hier verlaufende Salzstraße. Um 1200 wurde dann von dieser Burganlage ausgehend der Marktort Rottenmann als planmäßige Siedlung angelegt. Wohl Ende des 13. Jahrhunderts erfolgte die Erhebung zur Stadt, wenig später, im Jahr 1302, ist dann erstmals die Rede vom Bestehen einer Stadtbefestigung. Diese wurde im Lauf des 14. Jahrhunderts weiter ausgebaut, im 15. Jahrhundert wurde schließlich auch die Burg in die Stadtbefestigung miteinbezogen. Diese Maßnahmen erwiesen sich übrigens als durchaus erfolgreich: Als Rottenmann im August 1480 von den Türken belagert wurde, gelang es diesen nicht, die Stadt einzunehmen, und der osmanische Vorstoß in die Obersteiermark war fürs Erste gestoppt.

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Of Rottenmann’s five medieval town gates, the Burgtor (Castle Gate) is the only one still extant. It escaped demolition in the 19th century because by then it had already become private property and had apparently been adapted for residential purposes. The wooden extension on the side facing towards the town may have been added as part of that adaption. In any case it is a poignant reminder of the important role timber used to play as a building material not only in rural but also in urban contexts.

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