Färberkreuz, Seckau (Steiermark)

Ich hab’s ja eigentlich nicht so mit Barock… Aus irgendeinem, mir selber unerfindlichen Grund habe ich nun aber schon seit Tagen Lust, hier etwas richtig schön Barockes zu posten, etwas Pompöses, Überladenes, idealerweise schon mit Tendenz zum Rokoko, mit zuckerlrosa Putz und mit Stuckverzierungen, die aussehen als wäre ein gelernter Konditor am Werk gewesen, der erst im zweiten Bildungsweg zum Architekten umgeschult wurde. Nun gibt es freilich in meinem Fotoarchiv nichts, was diesem Anforderungsprofil entsprechen würde, und um nun extra auf Fotosafari zu gehen, ist es mir zur Zeit, ehrlich gesagt, einfach zu heiß.

Letzten Endes muss daher nun das sogenannte Färberkreuz herhalten, von dem ich letzten Sommer bei einem Besuch in Seckau ein paar Fotos geschossen habe. Es ist immerhin rosa und hat Stuckverzierungen mit Tendenz zum Rokoko, kommt dem, was ich mir vorgestellt hatte, also einigermaßen nahe – auch wenn ich das Rosa gern eine Spur pastelliger gehabt hätte, und das Bauwerk als Ganzes natürlich viel zu klein ist, um eine pompöse Wirkung erzielen zu können.

Das Färberkreuz wurde 1766 auf dem Seckauer Marktplatz als Johannes-Nepomuk-Kapelle errichtet und zählt zu den sogenannten Kleindenkmälern, einer Kategorie, unter der vom Grenzstein bis zum Bildstock, vom Pranger bis zur Flurkapelle eine ganze Reihe verschiedenster Denkmalgattungen subsummiert wird. Auf die Zugehörigkeit zu dieser Kategorie verweist auch die bis heute gängige Bezeichnung als Färberkreuz. Der Begriff Kreuz wird ja landläufig gerne auf jede Art von religiösem Flurdenkmal übertragen, auch wenn es sich wie hier gar nicht um ein Wegkreuz, sondern um eine Kapelle handelt.

An der Vorderseite der Kapelle ist denn über einem Altartisch auch eine Holzskulptur des Titelheiligen, Johannes von Nepomuk angebracht. Sie stammt aus der Judenburger Werkstatt des Balthasar Prandtstätter, dem in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vielleicht bedeutendsten Bildschnitzer der Steiermark. Ein Kreuz im eigentlichen Sinn findet man hier dagegen – einmal abgesehen von der Bekrönung der Zwiebelhaube am Dach – lediglich an der Rückseite, auch dort aber nicht etwa in Form eines Kruzifixes, sondern als Beigabe zu einer Steinfigur des kreuztragenden Christus. Diese doppelseitige Gestaltung der Kapelle war aufgrund ihrer Aufstellung auf dem Dorfplatz und der daraus resultierenden Zugänglich- und Sichtbarkeit der Rückseite durchaus naheliegend, ist aber doch eine ungewöhnliche Lösung und macht diesen an sich wenig spektakulären Bau dann doch ausgesprochen spannend.

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The so-called Färberkreuz is a small chapel dedicated to St. John of Nepomuk on the market square in Seckau. Built in 1766 it has some nice stucco decorations in the Rococo style. What it’s most remarkable for, however, is the fact that it’s double-sided, displaying a statue of St. John of Nepomuk on the front, and the figure of Christ Carrying the Cross on its rear side.

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