Kaplaneikirche Hl. Josef, Molln (Oberösterreich)

Gut gedeckt

Kurz hatte ich überlegt, auch diesen Post noch unter der Überschrift Tag des Denkmals 2013 zu veröffentlichen. Das hätte insofern seine Berechtigung gehabt, als ich die Kirche, um die es hier geht, tatsächlich an diesem Tag gesehen und fotografiert habe. Mit dem offiziellen Denkmaltag und dessen Programm hat sie aber fast noch weniger zu tun als die Fabrik in meinem letzten Beitrag – ich kam erst daran vorbei, nachdem ich endgültig beschlossen hatte, meine Planungen für den Tag über den Haufen zu werfen und stattdessen einfach der nächstbesten Straße durch die oberösterreichische Pampa zu folgen…

Schon die ganze Zeit über war mir auf meiner Fahrt durchs Most- und dann durchs Traunviertel aufgefallen, dass hier außergewöhnlich viele Hausfassaden mit diesen Zementfaserplatten verkleidet sind, wie sie vor allem in den 1950ern sehr in Mode waren. Allerdings bedecken besagte Platten in dieser Gegend meist nicht die ganze Gebäudefassade, sondern nur eine oder zwei der Außenwände; ich nehme an, es handelt sich dabei jeweils um die Wetterseite(n). Ein besonders schönes anschauliches Beispiel dafür ist übrigens das Haus der Naturfreunde/Musikheim in Breitenau, einem Ortsteil der Gemeinde Molln, das man links im obigen Bild sieht. Aber nur wegen dieses Hauses wäre ich wohl kaum extra stehengeblieben, um ein Foto zu schießen. Was mir dann aber doch erstaunlich und beachtenswert erschien, war der Umstand, dass man hier auch die kleine Kirche auf der anderen Straßenseite mit solch profanen Betonfaserplatten versehen hat. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, diese Art der Verkleidung je zuvor an einem Sakralbau gesehen zu haben.

Allerdings stammt die Kirche aus den Jahren 1955/1956, also tatsächlich aus jenem Jahrzehnt, das man als die große Zeit der Zementfaserplatten bezeichnen kann. Für die Planung verantwortlich war Hans Foschum (1906-1956), der als Oberbaurat der Oberösterreichischen Landesregierung in Linz die Abteilung Projektierung im Hochbau leitete und vor allem als Architekt der Linzer Christkönnigkirche im Gedächtnis geblieben ist. Daneben war er für eine beträchtliche Zahl weiterer Kirchen und Kapellen in Oberösterreich (und im benachbarten Böhmen) verantwortlich.

Wie die meisten von Foschums Bauten zeichnet sich auch die Kaplaneikirche in Breitenau durch eine gewisse Schlichtheit der Formen aus, ein Umstand, der wohl nicht nur ästhetischen Überlegungen geschuldet war, sondern sicherlich auch finanziellen: Für aufwändige Prachtbauten war im Nachkriegs-Österreich schlicht kein Geld vorhanden, schon gar nicht in kleinen Landgemeinden. Andererseits scheint das Kirchlein sehr wohl auch gewissen ästhetischen Vorstellungen zu entsprechen, wobei man das Wort ästhetisch hier vermutlich auch durch ideologisch ersetzen kann. Denn auch im Vergleich zu anderen österreichischen Kirchenbauten der Nachkriegszeit wirkt das das Ganze extrem konservativ, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, die Vorgabe wäre gewesen „Nur nicht zu modern!“ Und mit der Rundapsis und der Zwiebelhaube auf dem Turm könnte man den Bau von weitem tatsächlich mit einer guten alten Barockkirche verwechseln – bis man dann näher kommt und die Zementfaserplatten entdeckt…

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This small rural church in Upper Austria was built in 1955/1956 by local architect Hans Foschum. Its overall design is rather on the conservative side, owing more to Baroque traditions than to the modernist architecture of its own time and age. What makes this building kind of interesting, though, is the fact that it is partly covered in tiles of fibre concrete, a material typical for the 1950ies, yet hardly ever used in church architecture.

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