Erdberger Brücke, Wien II/III

Abbruchreif?

Vor zwei, drei Monaten machte in Deutschland die Meldung Schlagzeilen, dass eine Autobahnbrücke aus den 1930ern unter Denkmalschutz gestellt wurde, da es sich um eine Pionierleistung des Spannbetonbaus handele. Die Reaktionen darauf waren außerhalb von Fachkreisen meist von Unverständnis geprägt – vor allem der Umstand, dass man 300.000 Euro in die Erhaltung einer nach allgemeinem Dafürhalten „hässlichen“ Betonbrücke investiert hatte, sorgte für einige Erregung. Die daraus resultierenden, vorsichtig ausgedruckt, nicht immer ganz sachlichen Kommentare in diversen Medien und nicht zuletzt in Online-Plattformen führten dabei wieder einmal recht drastisch vor Augen, wie schwierig es ist, in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass auch Bauten des 20. Jahrhunderts, ja sogar Nutzbauten aus Sichtbeton schutzwürdig sein können.

Ein ähnliches Unverständnis begegnete auch in österreichischen Online-Foren, als vor etwas mehr als einem Jahr davon die Rede war, eine Unterschutzstellung der Erdberger Brücke in Wien in Erwägung zu ziehen. Die Vorgeschichte: Vergangenen Sommer hatte die Straßenbaugesellschaft ASFINAG bekannt gegeben, dass im Zuge der Erneuerung der Wiener Südosttangente die Erdberger Brücke 2016 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden sollte. Das über 40 Jahre alte Bauwerk sei in seiner Substanz bereits schwer beschädigt und den Anforderungen des heutigen Verkehrsaufkommens nicht mehr gewachsen. An Denkmalschutz dachte auf Seiten der ASFINAG offenbar niemand. Erst auf Initiative der Wiener Architektenkammer wurde nach Bekanntwerden dieser Pläne das Denkmalamt eingeschaltet, um die Möglichkeit einer Unterschutzstellung zu prüfen. Immerhin, die 1968 von Alfred Pauser als Teil der Tangente errichtete Brücke, die den Donaukanal überspannt und damit den Zweiten mit dem Dritten Bezirk verbindet, gilt aufgrund ihrer besonderen Schalenbauweise als bedeutendes Zeugnis österreichischer Ingenieurskunst. Obwohl auch vom Denkmalamt die „elegante Form“ und die „herausragende Bedeutung“ des Bauwerks hervorgehoben wurden, erteilte es am Ende aber doch einen abschlägigen Bescheid. Begründung: Der Bauzustand der Brücke ist bereits dermaßen miserabel, dass eine Sanierung gar nicht mehr sinnvoll durchzuführen wäre…

Nun kommt die Argumentation der Denkmalbehörde zugegebenerweise nicht ganz überraschend. Schon unmittelbar nach Fertigstellung der Brücke waren erste Schäden aufgetreten, und ihr Zustand war eigentlich immer schon etwas prekär. Dennoch kann ich nicht umhin zu sagen: Schade drum! Denn das mit der eleganten Form stimmt wirklich. Mit ihrer geschwungenen Bogenform ist die Erdberger Brücke ein richtig cooles Stück Architektur gewordenes 60er-Jahre-Design, das man sich anschauen sollte, solange man noch die Möglichkeit dazu hat. Was eben leider nicht mehr allzu lange ist: 2015 soll angeblich mit dem Abriss begonnen werden…

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The Erdberg Bridge in Southeastern Vienna was built in 1968 by Alfred Pauser. With its elegantly curved appearance it is an important example of 1960s architecture in Vienna. Nonetheless, it was decided last year that it will be demolished and replaced by a more up-to-date successor in 2015/2016. If you are in Vienna and have a chance, you should go and see it while you still can…

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