Toboggan, Prater, Wien II

… vulgo Rutschturm

Der Toboggan im Wiener Prater zählt zu jenen Bauwerken (im weitesten Sinn), bei denen mir schon bei der Einrichtung dieses Blogs klar war, dass ich früher oder später hier darüber schreiben würde. Wenn ich das ausgerechnet jetzt tue, so geschieht es quasi aus aktuellem Anlass: Unlängst nämlich hat der wunderbare Ernst Molden – zusammen mit den nicht minder wunderbaren Willi Resetarits, Walther Soyka und Hannes Wirth – ebendiesem Toboggan ein Lied gewidmet, das vorab schon online als Video erschienen ist und in den nächsten Wochen auch auf Platte erhältlich sein wird. Das Lied heißt Rudschduam, also gewissermaßen Rutschturm, nur halt so geschrieben, wie es klingt, wenn das Wort von einem Wiener ausgesprochen wird…

Der Rutschturm ist so etwas wie eine Wiener Institution, ähnlich wie (um im Prater zu bleiben) das Schweizerhaus oder das Riesenrad. Vielleicht sogar noch mehr als das Riesenrad, denn dieses ist mittlerweile ja eigentlich mehr etwas für Touristen als für Einheimische. In jedem Fall ist der Rutschturm neben dem Riesenrad das einzige Fahrgeschäft im Prater, das unter Denkmalschutz steht und dessen Geschichte noch in die Zeit der Donaumonarchie zurückreicht. Er repräsentiert einen Typus hölzerner Rutschbahnen, die im späten 19. Jahrhundert in den USA entwickelt worden und bald auch in Europa populär geworden waren. Auch die generische Bezeichnung Toboggan für diese Art von Rutsche wurde aus Amerika übernommen. Als der Wiener Rutschturm im Jahr 1913 eröffnet wurde, hieß er allerdings noch nicht wie heute, sondern Teufels Rutsch – der kauernde rote Teufel auf dem Kassenhäuschen verweist noch heute darauf.

Dieser Umstand kann freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die mittlerweile mehr als hundertjährige Geschichte des Rutschturms keineswegs von ungebrochener Kontinuität geprägt war. So wurde er etwa im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört, allerdings wurde die 25 Meter hohe Holzkonstruktion schon 1946/47 originalgetreu wiedererrichtet, was nebenbei bemerkt einiges über die Beliebtheit der Rutsche bei den Wienerinnen und Wienern aussagt. Im Jahr 2000 stand die Attraktion dann abermals vor dem Aus, da der baufällig gewordene Turm aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste. Aber wieder dauerte es nur wenige Jahre, bis er wieder in Betrieb genommen werden konnte: Nach einer aufwendigen Restaurierung in den Jahren 2008/2009 erstrahlt der Wiener Toboggan nun wieder in neuem Glanz und steht Rutschwilligen jeden Alters wieder zur Verfügung.

Nun muss ich zugeben, dass vor allem auf dem ersten Foto dieses Posts vom neuen Glanz nicht weiß Gott wie viel zu sehen ist, da dichter Nebel herrschte, als ich heute Morgen durch den Prater spazierte. Allerdings finde ich, dass das nicht unbedingt besonders stört: Bei einer Teufels Rutsch ist so eine leicht entrische Stimmung ja eigentlich gar nicht so unpassend. Aber eigentlich hat ja der ganze Prater mit seinen Hochschaubahnen, Ringelspielen und sonstigen Gefährten an einem solchen Nebeltag eine ganz eigene Atmosphäre. Die sonst leuchtenden, schallenden und sich drehenden Attraktionen liegen still und leblos, vom Nebelvorhang fast verdeckt, als hätte die Praterfee in einem launischen Anfall beschlossen, sie in einen hundertjährigen Schlaf zu versetzen. Wer sich ein Bild davon machen möchte, sei auf ein paar weitere Fotos verwiesen, die ich heute morgen geschossen und zu einem kleinen Album auf Facebook zusammengestellt habe…

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The Toboggan slide is one of the oldest attractions in Vienna’s largest amusement park, the Prater. This wooden construction, reaching a height of 25 metres, was first erected in 1913 and rebuilt in 1946/47 after having destroyed in World War II. It has recently been restored and is still open to anyone willing to spend a few euros for a fun ride…

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