Pfarrkirche St. Achatius, Ramingstein (Salzburg)

Noch ein Blickfang…

Seit fast dreißig Jahren komme ich nun beinahe jedes Jahr auf dem Weg in den Schiurlaub durch Ramingstein im Lungau, und seit einer Reihe von Jahren sticht mir dabei stets unweigerlich die nicht allzu große, aber doch imposant wirkende Pfarrkirche des Ortes ins Auge. Ein Stück über der Straße, am Hang des Dürrenrain gelegen, ist sie ein echter Blickfang für alle, die hier das Murtal entlang kommen.

Eine Kirche besteht an diesem Ort schon seit dem 14. Jahrhundert, doch wurde sie im Lauf der Frühen Neuzeit mehrmals erweitert, um der Bedeutung Ramingsteins als führendem Bergbauort der Region und dem daraus resultierenden stetigen Anstieg der Bevölkerungszahl gerecht zu werden. Mitte des 19. Jahrhunderts brannte die Kirche allerdings ab und musste daraufhin von Grund auf neu errichtet werden. 1862 wurde dieser Neubau geweiht, doch schon 27 Jahre später, 1889, wurde auch er bei einem erneuten Brand zerstört. Also musste man abermals neu zu bauen beginnen, und die neue, 1892 vollendete Kirche blieb dann tatsächlich bis heute bestehen (vielleicht auch, weil es 1901 zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Ramingstein kam…).

Herausgekommen ist jedenfalls ein einheitlicher, in einem Guss fertig gestellter neugotischer Kirchenbau, der hier im Lungau Seltenheitswert hat. Die Ausführung oblag dem damals bedeutendsten Salzburger Bauunternehmer, Jakob Ceconi (1857 – 1922), der bei Heinrich von Ferstel in Wien studiert hatte. Bei all seiner Bedeutung für die Architektur des Historismus im Salzburger Land war Ceconi aber letztlich wohl doch mehr Baumeister als Architekt, und gerade bei Kirchenbauten griff er immer wieder auf Entwürfe von anderen, besonders von Josef Wessicken (1837 – 1918) zurück. In Ramingstein freilich dürfte auch die Planung von Ceconi selbst übernommen worden sein – von Wessickens elaborierter Neugotik in der Nachfolge Friedrich von Schmidts ist hier jedenfalls nichts zu bemerken. Stattdessen ist die Kirche in ausgesprochen klaren, einfachen Formen gehalten, lediglich die abgetreppten Strebepfeiler und die spitzbogigen Fenster gliedern den Außenbau und verleihen ihm ein gotisches Aussehen. Anders gesagt: Zurückgegriffen wurde hier nicht wie bei der an den Akademien gelehrten Neugotik auf die „klassische“ Kathedralgotik, sondern eher auf eine lokale Tradition spätmittelalterlicher Landkirchen. Ein Aspekt, der ganz besonders auch durch die lokaltypische farbliche Akzentuierung der Bauglieder in Rot und Ocker zur Geltung gebracht wird.

Was ich mich bei all dem noch frage, ist, ob sich Ceconi bei der Gestaltung der Ramingsteiner Kirche nicht vielleicht auch am Vorgängerbau von 1862 orientierte. Allerdings ist es mir nicht gelungen, zu diesem nicht einmal dreißig Jahre bestehenden Bau verlässliche Informationen, geschweige denn Abbildungen zu finden. Wieder einmal muss ich einen meiner Posts also mit dem Aufruf beenden: Falls jemand vielleicht aus der Gegend ist und mehr darüber weiß, bitte melden!

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In the course of the 19th century, the Parish Church of Ramingstein was destroyed by fire and subsequently rebuilt not only once but twice. The extant building was erected from 1889 to 1892 under the supervision of architect / master-builder Jakob Ceconi (1857 – 1922). It was designed in a Gothic Revival style, but rather unusually for that period, the point of reference was not the “classical” Gothic architecture of 13th century cathedrals, but the simpler local tradition of Late Gothic building in the Alpine region.

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