Pfarrkirche Hl. Matthäus, Murau (Steiermark)

Zusammengewürfelt

Die Murauer Pfarrkirche wurde 1284 von Otto I. von Liechtenstein – dem Sohn des Minnesängers Ulrich von Liechtenstein – gestiftet und 1296 durch Bischof Heinrich von Lavant geweiht. Angesichts dieser offenbar kurzen Bauzeit ist es nicht verwunderlich, dass ein für mittelalterliche Verhältnisse erstaunlich einheitlicher Bau herausgekommen ist, der zu den wichtigsten Beispielen für die frühe gotische Architektur in der Steiermark zählt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Kirche aufgrund ihrer sehr massiven Bauweise für das späte 13. Jahrhundert eigentlich schon recht altmodisch wirkt. Das lässt sich aber vielleicht einfach dadurch erklären, dass der Vorgangerbau 1269 bei einem Erdbeben zerstört wurde und man nun durch eine entsprechend stabile Bauweise auf Nummer sicher gehen wollte…
Falls das die Absicht war, dann ist sie jedenfalls aufgegangen – die Kirche ist bis heute in ihrer damaligen Form erhalten geblieben. Zugegeben, das liegt natürlich schon auch daran, dass es in späteren Jahrhunderten kaum zu nennenswerten Veränderungen kam, was eigentlich relativ selten der Fall ist. An Um- und Zubauten sind lediglich zwei wenig auffällige Kapellen aus der Zeit um 1640 zu verbuchen. Damals nahm man freilich auch an den Portalen Änderungen vor, sodass nun dem spitzbogigen Hauptportal des 13. Jahrhunderts mit den eleganten gotischen Profilen eine frühbarocke Vorhalle mit schlichten, nicht minder eleganten toskanischen Säulen vorgeblendet ist. Eine durchaus reizvolle Kombination, die durch die einheitliche ockergelbe Färbelung auch gut zusammengehalten wird.
Nur wenige Meter davor steht, in derselben Farbe gefasst, eine auffällige spätgotische Lichtsäule. Wohl aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammend, ist sie reich mit krabbenbesetzen Kielbögen verziert und bildet in ihrer ornamentalen Fülle einen markanten Gegensatz zu den ruhigen Formen der Portalanlage.
Insgesamt sind hier also Bauteile aus drei sehr unterschiedlichen Epochen, vom 13. über das 15. bis zum 17. Jahrhundert, auf engem Raum zusammengefügt und bilden ein eigenwilliges, aber durchaus ansprechendes Ensemble. Vor allem aber, finde ich, zeigen sie die anhaltende Bedeutung des Kirchenportals als einem Ort, der über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Rolle im Leben der Gemeinde spielte und dessen Gestaltung daher mehr oder weniger regelmäßig aktualisiert wurde.

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The Parish Church of Murau (Styria) was founded in 1284 and probably completed by 1296. This early Gothic structure is still mostly intact, but a few minor changes have been made over the centuries. For instance, an early Baroque portico was added to the 13th-century main portal around 1640, and a richly decorated stone cross, dating to the 15th century, was placed just in front of it. Together, I believe, all of these elements create a rather patchy, yet strangely appealing whole.

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