Burgruine Kirchschlag, Kirchschlag in der Buckligen Welt (Niederösterreich)

Die Burg Kirchschlag zählt nicht unbedingt zu den bekanntesten Burgruinen Niederösterreichs, aber sicherlich zu den sehenswertesten. Aus Bauteilen des 13. bis 16. Jahrhunderts bestehend, ist sie von imposanter Wirkung, und das schon seit langem. Bereits 1871 zeigte sich der Lokalforscher Ernst Zickero reichlich beeindruckt davon; er schreibt:

„Es ist ein gewaltiger mächtiger Bau, der sich hier dem Auge darstellt, auch in Trümmern noch groß. Auf einen [sic] bewaldeten Berge knapp über den [sic] Markte Kirchschlag, erhebt sich dieses ausgedehnte Gebäude. Ein starker Wall umgab das Schloß, inner welchem sich dasselbe erhob. Durch ein nun gänzlich verfallenes Thor betritt man den düsteren Hof, in welchem die Mauern, welche Jahrhunderten trotzten, nunmehr zerstört herumliegen. Ein Theil der Befestigung zieht sich über den Abhang des Berges hinab, und läuft selbst unten noch eineWeile fort; es ist eine starke Mauer, nach Art der Befestigung des damaligen Zeitalters, in kurzen Zwischenräumen mit 10 runden Thürmen versehen. Das Schloß hat drei Stockwerke, und ist im Innern die Zerstörung schon ziemlich weit gediehen. Seilich [sic] der Veste steht auf einem abgesonderten Berge ein kolossaler Wartthurm, und ist die ganze Gegend des Schloßes, und die Aussicht von demselben ungemein reizend.“
(Aus: Ernst Zickero, Kirchschlag und seine Denkwürdigkeiten, Wien 1871, S. 4-5.)

Aber offenbar waren nicht nur Heimatkundler schon zu k.u.k.-Zeiten begeistert von der Burgruine. In einigen der tiefen Fensternischen auf der Burg findet man noch alte Besucherinschriften, die zum Teil bis ins 19. Jahrhundert zurückgehen. Solche alten Graffitis sind ja eigentlich der beste Beweis dafür, wie alles zu einem Kulturdenkmal wird, wenn man es nur lange genug (auf-)bewahrt. Gäbe es auf Burg Kirchschlag nur die im obigen Foto links zu sehende Inschrift von Tom + Babsi aus dem Jahr 2013, würde man sie sicherlich (und nicht zu Unrecht) als ungehörigen Eingriff in die alte Bausubstanz, ja als Akt des Vandalismus auffassen. Den gleich daneben stehenden, ungleich auffälligeren Text, den ein Mitglied des 2. Dragoner-Regiments Wiener Neustadt im Sommer 1891 hinterließ, nehmen wir dagegen primär als Denkmal der Vergangenheit wahr, das uns einen interessanten Einblick in die Geschichte der Ruine als Ausflugsziel bietet. Aber in hundert Jahren werden Besucherinnen und Besucher der Burg vermutlich auch das Graffito von 2013 als historisch interessant wahrnehmen und Tom und Babsi als genauso fremd und exotisch empfinden wie wir heute einen k.u.k. Dragoner von anno 1891…

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Kirchschlag Castle, built from the 13th to the 16th centuries and today mostly ruined, is a popular day trip destination, and apparently has been so for quite a long time. In some of the window splays, one still finds old visitors’ graffiti dating back as far as the 19th century. The most prominent of them (pictured above) dates to the summer of 1891 and was left by a member of a cavalry regiment from nearby Wiener Neustadt.

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