Ehm. Meierhof, Neuhaus am Zellerrain (Niederösterreich)

Fährt man vom niederösterreichischen Gaming, südwestlich am Ötscher vorbei, durchs Gebirge nach Mariazell, so kommt man kurz vor der steirischen Grenze durch eine Häusergruppe, die durch eine Ortstafel als Neuhaus ausgewiesen wird. Besonders markant ist ein blockhafter Bau gleich am Ortseingang, der an der Rückseite die Jahreszahl 1735 trägt. Graue Quadermalerei betont die Ecken, in derselben Farbe sind die Fensterrahmungen hervorgehoben, während ansonsten ein rotes Rautenband zwischen Erdgeschoß und erstem Stock den einzigen Fassadenschmuck darstellt.

Das trotz oder vielleicht gerade wegen seiner relativen Schlichtheit eindrucksvolle Gebäude wurde ursprünglich als Meierhof der Kartause Gaming errichtet, diente aber schon bald in erster Linie als Wirtshaus. Schließlich entstand darum herum eine kleine Siedlung, über welche die Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens von 1838 folgendermaßen Auskunft gibt:

„Der Ort wird von 14 Familien, 27 männlichen, 38 weiblichen Personen und 8 schulfähigen Kindern bewohnt, die einen Viehstand von 2 Pferden, 30 Kühen, 14 Ziegen und 16 Schweinen besitzen. Die Einwohner bestehen aus Handwerkern, nämlich: 1 Schneider, 1 Schmied, 1 Schuster, aus Gewerbsleute (sic), nämlich 1 Müller und 1 Wirth, aus Holzarbeitern und Holzknechten.“

(Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, Zwölfter Band: Viertel Ober-Wienerwald, Wien 1838, S. 235.)

Bei der letzten Volkszählung im Oktober 2011 hingegen hatte Neuhaus-Langau, als Ortsteil von Gaming, gerade einmal elf Einwohner. Gewiss, die Volkszählung erfasst nur die Hauptwohnsitze, und man kann sich gut vorstellen, dass manche der Häuser hier im Gebirge als Nebenwohnsitz, Wochenend- oder Ferienhaus genutzt werden. Dennoch, von der offenbar relativ autarken Gemeinde von 1838, in der alle unabkömmlichen Handwerke und Gewerbe vertreten waren, ist kaum noch etwas übrig. Und wie schon das Arbeiterwohnhaus im vorigen Post ist auch der barocke Meierhof in Neuhaus ein Gebäude, das nicht nur längst seine Funktion verloren hat, sondern auch für seine Gegend mittlerweile viel zu groß geworden ist.

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A relatively simple, yet nonetheless impressive building dating to 1735, located on the side of the road in the mountains of Lower Austria, just a few miles from the Styrian border. Originally, this was built as a Meierhof, a farm belonging to the nearby Charterhouse of Gaming, but soon it turned into a roadside inn. All this, however, is long past, and today the building seems way too large for this mostly abandoned area.

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