Geschäftsfassade, Ramingstein (Salzburg)

Lungauer Fassaden (II)

Zuletzt habe ich hier über eine frühneuzeitliche Fassadenbemalung in St. Andrä im Lungau berichtet, die für mich das wohl schönste Beispiel für einen Dekorationstypus bildet, den man im Lungau häufiger antrifft. Ein anderes meiner Lieblingsbeispiele stellt die nun hier abgebildete Geschäftsfront in Ramingstein dar, die zwar nicht ganz so schön, dafür aber umso interessanter ist. Die Motive der Dekoration nämlich sind die gleichen, wie man sie auch an Häusern aus dem Barock oder dem 19. Jahrhundert findet, auch der rot-orange Farbakzent ist althergebracht und ausgesprochen typisch, aber dem Augenschein nach dürfte die Bemalung in diesem Fall vergleichsweise rezent sein – ich würde mal tippen: 1950er. Es ist eine dieser Geschäftsfassaden, bei denen man das Gefühl hat, es müsste jeden Augenblick die Tür aufgehen und ein junger Peter Alexander singend herauskommen…

Die Frage, die sich mir hier stellt, ist, wie man das Ganze einzuordnen hat: Handelt es sich um ein spätes Glied in einer langen, ungebrochenen Tradition von Fassadengestaltung in der Region? Oder haben wir es stattdessen mit dem bewussten Rückgriff auf eine an sich schon ausgestorbene Form der Dekoration zu tun? Ein Rückgriff, der durchaus gut in die 50er-Jahre passen würde, eine Zeit, in der man versuchte, durch das Wiederaufnehmen von Altbewährtem, Heimatlichem und Lokalem die unter dem Nazi-Regime abhandengekommene österreichische Identität zu stärken bzw. überhaupt erst (wieder) herzustellen.

Wie dem auch sei, die laut Beschriftung einst zu einer Bäckerei Regner gehörige Ladenfront ist ein hochinteressantes und sehenswertes Zeitdokument aus einer Epoche, die noch gar nicht so lange zurückliegt und doch schon ganz weit weg ist. Aber wenn ich sage sehenswert, dann muss ich leider auch dazusagen: Wer selbst eine Besichtigung unternehmen will, sollte sich vielleicht besser beeilen, denn offenbar ist die Bäckerei schon seit Längerem geschlossen und es dürfte wohl nur mehr eine Frage der Zeit sein, bis das Gebäude einer anderen Verwendung zugeführt und die alte Fassadenbemalung entfernt wird. Nein, die Tage, als man noch auf einen Auftritt Peter Alexanders hoffen konnte, sind auch in Ramingstein unwiederbringlich vorbei.

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Another façade from the Lungau region, decorated with the same type of ornamental painting as the one in my last post. Only, the painting on this shopfront in Ramingstein seems to be a lot more recent, presumably from the 1950s. Sadly, though, the bakery whose name can still be read on the façade seems to have gone out of business quite some time ago and it probably is only a matter of time before the building will be remodelled and its current decoration destroyed.

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