Gedächtniskapelle, Mogersdorf (Burgenland)

Auf dem Schlösslberg bei Mogersodrf erhebt sich eine kleine Kapelle, die an eine der entscheidenden Schlachten der sogenannten Türkenkriege erinnert: Am 1. August 1664 besiegte an dieser Stelle ein habsburgisch-französisches Allianzheer unter Führung des Grafen Montecuccoli eine numerisch deutlich überlegene osmanische Streitmacht und konnte damit dem Vormarsch der Osmanen auf Wien zumindest vorläufig Einhalt gebieten.

Die Gedächtniskapelle wurde zunächst 1897 in neugotischer Formensprache erbaut, erlitt aber schwere Zerstörungen, als es in der Endphase des Zweiten Weltkriegs hier erneut zu Kampfhandlungen kam. Erst in den Jahren 1963-1964 kam es, aus Anlass des 300-jährigen Jubiläums der Schlacht bei Mogersdorf, zum Wiederaufbau nach Plänen von Ottokar Uhl (1931 – 2011), der vor allem im Bereich des Sakralbaus große Bedeutung innerhalb der österreichischen Architekturgeschichte seit der Nachkriegszeit erlangt hat. Von der Neugotik des Vorgängerbaus sind nach Uhls Intervention nur noch die Strebepfeiler am Außenbau übrig geblieben. Mit relativ einfachen Mitteln gelang es Uhl, dem Bauwerk stattdessen einen durch und durch modernen Charakter zu verleihen: Anstelle eines ansteigenden Daches wurde eine flache Decke gewählt, die es erlaubte, den Bau oben gerade abzuschließen. Da die Decke aus Glasbausteinen besteht, der Innenraum also von oben belichtet wird, konnte überdies auf Fenster verzichtet werden. Auf diese Art entstand ein kompakter, blockhafter Baukörper, der nun wie der paradigmatische white cube die umliegende Landschaft beherrscht. Wobei das Wort „beherrschen“ in diesem Zusammenhang die Landschaft vielleicht etwas beeindruckender erscheinen lässt, als sie eigentlich ist: Denn seinem Namen zum Trotz ist der Schlösslberg im Grunde nicht mehr als eine leichte Erhebung, die sich eigentlich nicht einmal recht als Hügel, sondern bloß als Anhöhe bezeichnen lässt.

Umso mehr erstaunt es, dass der Bildhauer Rudolf Kedl, der den Altar der Kapelle schuf, sich nicht scheute, dem Schlösslberg für das Burgenland eine ähnliche Bedeutung zuzuschreiben wie sie der Magdalensberg für Kärnten habe oder der Bergisel für Tirol. Gewiss, es ging ihm dabei in erster Linie um die Bedeutung der Anhöhe als „symbolischem Ort“, war hier doch, wie er schreibt, „die abendländische Kultur erfolgreich verteidigt“ worden.* Aber dennoch, muss man sagen, braucht es schon eine gehörige Portion Lokalpatriotismus, um auf die Idee zu kommen, den Schlösslberg mit dem Bergisel zu vergleichen… Lohnenswert ist ein Besuch aber natürlich dennoch, und seit Kedls Wortmeldungen sind mittlerweile fast vierzig Jahre vergangen, in denen die Rhetorik weniger pathetisch und weniger martialisch geworden ist: Heute ist der Schlösslberg für Wanderer durch einen sogenannten „Friedensweg“ erschlossen.

* Rudolf Kedl, Die Schlößlkapelle von Mogersdorf, in: Burgenländische Heimatblätter 39, 1977, S. 37-40 (die wörtlichen Zitate: S. 37).

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This small chapel commemorates a battle fought here in 1664, in which the Habsburg army gained victory over invading Ottoman forces. First built in 1897 in a Neo-Gothic style, the chapel was badly damaged in 1945 and only rebuilt in 1963-1964 on occasion of the 300th anniversary of the aforementioned battle. It was designed by Ottokar Uhl (1931 – 2011), who created a very modern-looking, windowless white cube which receives its light through the flat glass roof.

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