Filialkirche Hl. Laurentius, Zahling (Burgenland)

Wo war ich stehen geblieben (ehe mich eine Reihe von Deadlines und Konferenzen wieder einmal etwas länger vom Bloggen abhielten)? Ach ja, bei der Gedächtniskapelle in Mogersdorf, die sich als einsamer White Cube inmitten der südburgenländischen Hügellandschaft erhebt. Nur wenige Kilometer davon entfernt findet man quasi das mittelalterliche Pendant zu diesem Bau aus den 1960ern – die Filialkirche zum Heiligen Laurentius in Zahling. Auf einer Anhöhe errichtet, überschaut das Kirchlein den darunterliegenden Ort und hebt sich durch den weißen Verputz ähnlich markant von seiner Umgebung ab wie die Gedächtniskapelle in Mogersdorf. Und obwohl es um viele Jahrhunderte älter ist als jene, hat es aufgrund seiner schlichten stereometrischen Formen doch auch etwas zeitlos Modernes: An das kompakte Langhaus mit dem spitzen Giebeldach schließt sich im Osten eine halbrunde Apsis an, im Westen ein annähernd quadratischer Turm, im Süden wurde eine kleine Sakristei angebaut.

Das genaue Alter des Baus zu bestimmen, fällt nicht leicht. Als einigermaßen sicher kann gelten, dass es sich bei der Sakristei um einen Zusatz der Frühen Neuzeit, wohl des Barock, handelt. Langhaus und Apsis hingegen dürften noch aus dem 13. Jahrhundert stammen und stellen damit eines der ganz wenigen erhaltenen Beispiele romanischer Architektur in der Region dar. Auffällig ist, dass die Apsis aus Ziegeln errichtet wurde, eine Bauweise, die auch bei der um 1200 entstandenen Jakobskirche im nahen Güssing Anwendung fand. Bestätigt wird das hohe Alter der Zahlinger Kirche auch durch die Reste von Wandmalereien des frühen 14. Jahrhunderts, die sich sowohl am Außenbau als auch im Innenraum erhalten haben (und über die ich an anderer Stelle bereits ausführlich berichtet habe).

Ein noch weit größeres Maß an Altehrwürdigkeit wurde freilich von verschiedenen Seiten dem gedrungenen Westturm beschieden: Es sei denkbar, dass es sich dabei um einen quasi zweitverwendeten Wachtturm aus der Römerzeit handle, heißt es etwa auf Wikipedia, aber auch schon in einem Bericht über die Kirchenrenovierung aus dem Jahr 1957 (Burgenländische Gemeinschaft zur Pflege der Heimatverbundenheit der Burgenländer in aller Welt, II. Jahrgang, Nr. 4, April 1957, S. 6 – online abrufbar hier). Falls jemand Näheres über diese Theorie und ihre Entstehung weiß, wäre ich übrigens für weiterführende Hinweise dankbar. Denn ich muss ehrlich sagen: Obwohl das Gebiet um Zahling nachweislich schon in römischer Zeit besiedelt war und in der Nähe auch eine Römerstraße verlief, scheinen mir die vorgebrachten Argumente für einen antiken Ursprung des Turms doch zu vage, um überzeugen zu können. Auf Wikipedia etwa werden die kompakte quadratische Grundform und das ehemalige Vorhandensein zweier Schießscharten unbestimmten Alters als Hinweis auf eine Entstehung als antiker Wachturm angeführt. Beide genannten Elemente aber sind doch keineswegs für die Römerzeit spezifisch und könnten genauso gut aus jeder anderen Epoche stammen. Tatsächlich befindet denn auch einer von Österreichs führenden Mittelalter-Bauarchäologen, Rudolf Koch, „die zeitliche Stellung des Westturms von Zahling“ könne „nicht eindeutig bestimmt werden“ – vermutet aufgrund eines Baudetails aber, der Turm könnte womöglich gar nicht zum Ursprungsbau gehört haben, sondern erst in der Zeit der Gotik nachträglich hinzugefügt worden sein. Einigen wir uns bis auf Weiteres also am besten auf das schon genannte Prädikat zeitlos

*******

The filial church of St. Laurentius in the small village of Zahling dates mostly to the 13th century and is one of the few surviving Romanesque buildings in the region of the southern Burgenland. It has even been suggested that the church’s tower may have begun its life as a Roman watchtower, but while several Roman burials have indeed been found in the area, this is pure speculation. Inside the church there is a set of early 14th-century wall paintings which I have already discussed elsewhere.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Burgenland abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s