Eisenzeitliches Grubenhaus, Asparn an der Zaya (Niederösterreich)

Gallisches Dorf?

Zugegeben, der Titel des heutigen Beitrags ist ein klein wenig irreführend. Denn was oben auf dem Foto zu sehen ist, ist selbstverständlich nicht wirklich ein Haus aus der Eisenzeit, sondern bloß die moderne Rekonstruktion eines solchen. Man findet diesen Nachbau im Freigelände des Museums für Ur- und Frühgeschichte in Schloss Asparn an der Zaya. Dort wurde eine ganze Reihe prähistorischer Behausungen – von der Stein- über die Bronze- bis in die Eisenzeit – auf der Basis archäologischer Befunde aus der Region so authentisch wie möglich nachgebaut, sodass Wohn- und Lebensformen der Urzeit anschaulich und angreifbar, ja sogar betretbar werden.

Als altem Asterix-Fan hat es mir, als ich unlängst dort war, natürlich besonders dieses eisenzeitliche Grubenhaus angetan.* Mit dem bis zum Boden heruntergezogenen Dach und dem Tierschädel im Giebel – sieht es da nicht genau so aus wie eins der Häuser im berühmtesten aller gallischen Dörfer? Einen nicht ganz unwesentlichen Unterschied gibt es freilich doch: Die Häuser bei Asterix scheinen, soweit sich das feststellen lässt, allesamt ebenerdig zu sein,** während es sich in Asparn eben um ein sogenanntes Grubenhaus handelt. Das bedeutet, das Bodenniveau im Innern liegt ein Stück unter der Erdoberfläche, und beim Eintreten muss man erst einmal ein paar Stufen nach unten gehen (was sich auf der oben gezeigten Außenansicht zwar nicht erkennen, aber immerhin erahnen lässt). Man nimmt an, dass diese Art von Haus vor allem als Werkstatt und Arbeitsraum verwendet wurde, da die tiefergelegte, erdnahe Bauweise zu einer erhöhten Luftfeuchtigkeit führte, was die Verarbeitung bestimmter Materialien, vor allem von Textilien, einfacher machte.*** Wenn ich mich richtig erinnere, ist im Asparner Grubenhaus auch tatsächlich ein Webstuhl als zentrales Stück der Innenausstattung aufgestellt.

Bei allem Bestreben um Authentizität ist aber doch zu betonen, dass es sich letztlich eben um eine Rekonstruktion handelt, also um den Versuch, die mehr oder weniger hypothetische Interpretation eines Grabungsbefundes dreidimensional und in Originalgröße zu visualisieren. Da die Errichtung solcher Nachbauten auch wertvolle Erkenntnisse über urzeitliche Bautechnik und Bauweisen liefern kann, hat sie innerhalb der modernen archäologischen Forschung schon eine lange Tradition. Bereits 1879 errichtete der dänische Archäologie Frederik Sehested (1813-1882) mit steinzeitlichen Werkzeugen ein Blockhaus, und 1922 wurde im deutschen Unteruhldingen am Bodensee das heute noch bestehende Pfahlbaumuseum eingerichtet, dessen Kernstück eine Rekonstruktion der jungsteinzeitlichen Siedlung bei Riedschachen darstellte. Auch in Asparn kann diese Form der experimentellen Archäologie schon auf eine jahrzehntelange Geschichte zurückblicken: Bereits bei der Gründung des Urgeschichtemuseums in den 1960ern wurde das archäologische Freigelände eingerichtet, 1966 das erste jungsteinzeitliche Langhaus nachgebaut. Vor diesem Hintergrund betrachtet, handelt es sich beim Asparner Grubenhaus – trotz aller Bezüge zur Eisenzeit – also doch auch um ein charakteristisches Produkt des 20. bzw.21. Jahrhunderts.

In jedem Fall aber kann ich den Besuch von Museum und Freigelände nur wärmstens empfehlen, falls vielleicht noch jemand nach einem passenden Ausflugsziel für ein Sommerwochenende sucht…

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*Genauer gesagt: die eisenzeitlichen Grubenhäuser, denn gleich neben dem einen steht noch ein zweites.

** Ausgenommen natürlich das berühmte Baumhaus von Troubadix.

*** Allerdings muss ich betonen, dass ich kein Archäologe bin und daher nicht garantieren kann, dass diese Theorie noch dem aktuellen Forschungsstand entspricht. Falls es jemand besser weiß, bitte ich also um entsprechende Korrektur!

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A reconstructed Iron Age-house in the Museum of Prehistory in Asparn an der Zaya (Lower Austria), where one can find a whole range of reconstructed buildings from the Stone, the Bronze and the Iron Age. This one is, however, my favourite – doesn’t it just look like one of the houses in the Asterix comics?

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