Ehm. Hochmeisterschloss, Millstatt (Kärnten)

Millstatt ist einer jener Orte, an die ich immer wieder gerne zurückkehre, denn trotz seiner eher bescheidenen Größe hat es viel Sehenswertes zu bieten. An erster Stelle wäre hier natürlich der Millstätter See zu nennen, aber auch das architektonische Erbe lohnt es, betrachtet zu werden: Da ist zum einen das altehrwürdige Stift mit Bauteilen aus Romanik, Gotik und Renaissance, zum anderen eine Reihe prächtiger Jahrhundertwende-Villen aus der Glanzzeit des Ortes als Seebad. Beides vereint findet man gewissermaßen im ehemaligen Hochmeisterschloss, das direkt an der Hauptstraße gelegen ist.

Die Geschichte dieses imposanten Gebäudes beginnt im späten 15. Jahrhundert: Um der immer größer werdenden Bedrohung durch die Osmanen entgegenzuwirken, hatte Kaiser Friedrich III. im Jahr 1469 den St. Georgs-Ritterorden ins Leben gerufen und im ehemaligen Benediktinerkloster in Millstatt angesiedelt. In der Folge kam es dort zu umfassenden Baumaßnahmen. So wurde die romanische Stiftskirche mit einem spätgotischen Gewölbe versehen, vor allem aber wurden die Befestigungen der alten Klosteranlage verstärkt. Dazu zählte auch das wohl 1499 vollendete Hochmeisterschloss, das durch Johann Siebenhirter, den ersten Hochmeister des Georgsordens, als freistehender Bau südöstlich des Klosters errichtet wurde und mit diesem durch Mauern verbunden war. Der langgestreckte Wohn- und Repräsentationsbau beeindruckt bis heute vor allem durch die beiden wuchtigen Wehrtürme, die ihn im Osten und Westen begrenzen.

Einen Blickfang bildet allerdings auch die reich gegliederte Dachlandschaft, vor allem die hoch aufragenden Firstspitzen auf den genannten Türmen, die selbst beinahe den Charakter kleiner Türmchen haben. Diese Dachgliederung hat nun nichts mehr mit den Baumaßnahmen des Spätmittelalters zu tun, sondern ist das Produkt einer umfassenden Renovierungskampagne an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert: Damals ließ der Wiener Anwalt Alexander Pupovac das Hochmeisterschloss zu einem mondänen Hotel umbauen, das im Jahr 1901 unter dem Namen Grand Hotel Lindenhof seine Pforten öffnete. Auch dieses Hotel ist heute freilich längst Geschichte, doch zeugen von ihm noch verblasste Schriftzüge an den Fassaden, die Holzveranda an der Rückseite oder die mit ornamentalen Eisengittern versehenen Balkone. Das Ganze wirkt heute malerisch verfallen, fast wie ein verwunschenes Schloss, in dem sich die Geister von alten Rittern und von Sommerfrischlern aus der k. u. k. Zeit die Klinke in die Hand zu geben scheinen. Freilich gilt auch hier: Von romantisch verfallen zu komplett zerfallen ist es nur ein kleiner Schritt, und eine Restaurierung wäre allem Anschein nach dringend notwendig. Über potenzielle Nutzungen des heute großteils leer stehenden Gebäudes wird schon seit Jahren diskutiert – es bleibt zu hoffen, dass in naher Zukunft eine Lösung gefunden werden kann…

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This impressive building in Millstatt was erected in the late 15th century as the lodgings of the Grandmaster of the military order of St. George, founded by Emperor Frederick III. in 1469. It was transformed into a Grand Hotel in 1901, a time when Millstatt was a popular holiday destination and bathing resort. Today, unfortunately, it seems mostly abandoned and in dire need of restoration.

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