Musikpavillon, Krems an der Donau (Niederösterreich)

Zum Ausklang des Sommers geht es heute noch einmal in den Park, genauer gesagt in den Kremser Stadtpark, der 1880 direkt außerhalb des mittelalterlichen Stadtkerns angelegt wurde. Er entstand in einer Phase der Modernisierung und der Stadterweiterung, die im späten 19. Jahrhundert wie viele andere Orte auch Krems erfasst hatte. Ähnlich wie in Wien wurden die alten Stadtmauern geschleift und an ihrer Stelle neue Straßenzüge im Stil des damals modernen Historismus angelegt, allen voran die Ringstraße, bei der auch schon der Name an das Vorbild der Hauptstadt gemahnt. Auch der Stadtpark wurde als Teil dieser Erneuerungsmaßnahmen explizit nach dem Vorbild des Wiener Stadtparks errichtet.

Wesentlich verantwortlich für diese Bau- und Erweiterungskampagnen waren die Stadtbaumeister Josef Utz, Vater und Sohn, in deren florierendem Betrieb zeitweise bis zu 200 Mitarbeiter beschäftigt waren. Auf Josef Utz jun. geht dann auch der Entwurf des Musikpavillons im Stadtpark zurück. Dieser gehörte freilich nicht zum ursprünglichen Bestand der Grünanlage, sondern kam erst 1898 als Geschenk der Kremser Sparkassa dazu. Anlass seiner Errichtung war das 50-jährige Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph, das in jenem Jahr feierlich begangen wurde, unter anderem mit einer großen Jubiläumsausstellung bei der Rotunde im Wiener Prater. Auch Utz‘ Pavillon war, ehe er nach Krems verbracht wurde, zunächst in dieser Ausstellung zu sehen – der erhaltene Grundriss des Ausstellungsgeländes zeigt ihn noch rechts oben im Zentrum der als Gartenbau-Ausstellung bezeichneten Abteilung.

Wenn man genau hinsieht, erkennt man am Kremser Pavillon auch tatsächlich zahlreiche Anspielungen auf den Kaiser: Immer wieder finden sich kleine Kronen im Dekor, dazu die Initialen FJI (für Franz Joseph I.) sowie die Jahreszahlen 1848 und 1898. Und auch die Wahl des neo-barocken Stils, der vor allem in der kuppelartigen Bedachung zum Tragen kommt, enthält gewissermaßen eine Hommage an den Herrscher, erinnert er doch an den imperialen Prunk zeitgleicher habsburgischer Bauprojekte wie der Neuen Burg in Wien.

Dennoch handelt es sich bei dem Pavillon auch um ein durchaus modernes Bauwerk, haben wir es doch mit einer reinen Eisenkonstruktion zu tun, also einer damals noch recht neuen Bautechnik. Eine Spannung zwischen konservativer Form und innovativer Konstruktionsweise, die für die Architektur des Historismus ohnehin oft charakteristisch ist. Gerade bei der Jubiläumsausstellung von 1898 ging es freilich nicht zuletzt darum, die neuesten Errungenschaften der österreichisch-ungarischen Industrie zu präsentieren, und die praktische Ausführung von Utz‘ Pavillons-Entwurf oblag Österreichs damals wohl führendem Betrieb für architektonische Metallarbeiten, nämlich der Wiener Firma Rudolph Philipp Waagner. Was ich nicht nur der Vollständigkeit halber erwähne, sondern auch, weil es die Firma immer noch gibt – sie fertigte in jüngerer Vergangenheit unter anderem die Metallteile für das berühmte Glasdach des British Museum in London und für die Berliner Reichstagskuppel. So gesehen befindet sich der Kremser Pavillon also in bester Gesellschaft. Aber auch unabhängig davon finde ich, dass unter den zahlreichen Musikpavillons, die es in österreichischen Parks zu sehen gibt, der im Kremser Stadtpark sicher einer der schönsten ist. Und wer mich kennt, weiß, dass ich mich zu solchen Superlativen in der Regel nur selten hinreißen lasse…

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The music pavilion in Krems‘ Stadtpark (City Park) was designed by Josef Utz jun., the city’s leading architect of the time, in 1898. Built entirely of iron, the actual construction work was done by Rudolph Philipp Waagner of Vienna, an expert in ironwork and construction – his company still exists today and was involved, among many other projects, in the construction of the famous glass ceiling in London’s British Museum. Before being installed in Krems, Utz’s pavilion was shown in Vienna at the grand Jubilee Exhibition, commemorating the 50th anniversary of Emperor Franz Joseph’s accession to the throne.

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