Gewerkenhaus, Leogang (Salzburg)

So, nach einem etwas arbeitsintensiven Oktober komme ich nun doch wieder einmal dazu, hier etwas zu posten, und knüpfe trotz der zeitlichen Lücke einfach mal direkt an den vorigen Beitrag an: Auch diesmal nämlich geht es um eine frühneuzeitliche Jahresinschrift an einem Portal.

Das steinerne Portal befindet sich in diesem Fall an einem ehemaligen Gewerkenhaus in Leogang, genauer gesagt im Ortsteil Hütten, der im Spätmittelalter als Bergbausiedlung angelegt wurde. Zwar erlebte der Leoganger Bergbau seine eigentliche Blüte erst im späten 17. und im 18. Jahrhundert, doch bestand er bereits seit dem Mittelalter und erlebte gegen Ende des 16. Jahrhunderts einen ersten Aufschwung. Von besonderer Bedeutung war dabei die Anlage des sogenannten Herrenstollens im Jahr 1593, der 320 Klafter [etwa 575 Meter] tief in den Berg führte. In demselben Jahr wurden in den Leoganger Bergbaurevieren 7125 Pfund Blei und 2400 Pfund Kupfer abgebaut, dazu noch eine nicht näher spezifizierte Menge des wertvollen Silbers; der Reingewinn für die Betreiber betrug 1317 Gulden.

Interessanterweise ist 1593 auch genau das Jahr, das inschriftlich am Portal des Gewerkenhauses verewigt wurde. Üblicherweise geht man bei solchen Inschriften davon aus, dass sie sich auf das Jahr der Erbauung beziehen, im konkreten Fall habe ich allerdings so meine Zweifel, ob das zutrifft. Das Portal weist nämlich die charakteristische Form eines Kielbogens auf, der vor allem in der Spätgotik des 15. und des beginnenden 16. Jahrhundert für Tür- und Fensterrahmungen beliebt war, nach etwa 1525 aber so gut wie nicht mehr vorkommt. Natürlich ist nicht gänzlich auszuschließen, dass hier in Leogang einfach ein besonders konservativer Baumeister am Werk war, der stur eine schon längst aus der Mode gekommene Form weiterverwendete – plausibler erscheint mir aber dennoch, dass das Portal bereits in den Jahren um oder kurz nach 1500 errichtet und die Jahreszahl erst sehr viel später nachträglich hinzugefügt wurde. Über den Grund dafür lässt sich natürlich nur spekulieren, es ist aber doch verlockend, eine wie auch immer geartete Verbindung mit der Anlage des Herrenstollens zu vermuten. Vielleicht aber ist es auch bloß ein schöner Zufall, dass die Inschrift ausgerechnet auf ein für die Geschichte des örtlichen Bergbaus bedeutsames Jahr verweist…

Wie dem auch sei, ein Besuch des Hauses lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur wegen des Portals, sondern vor allem auch, weil es heute das Leoganger Bergbau- und Gotikmuseum beherbergt, das einerseits eine schöne Sammlung spätgotischer Kunstwerke aus der Region präsentiert und andererseits einen interessanten Einblick in die historische Lebens- und Arbeitswelt der Bergknappen gibt.

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