Haus „Zum steinernen Christkindl“, Wien VII

Es ist wieder einmal die Zeit im Jahr, in der man in Wien – von Schönbrunn bis zum Wilhelminenberg – an fast schon jeder Ecke der Stadt einen Christkindlmarkt findet. Einer der Klassiker unter den Weihnachtsmärkten ist mittlerweile jener in den engen Gässchen des Spittelbergs, so ziemlich dem einzigen Viertel Wiens, das vom Bauboom der Ringstraßenzeit verschont blieb und bis heute von idyllisch anmutenden Vorstadthäusern aus Barock und Biedermeier geprägt ist. Eines davon ist das Haus Spittelberggasse 20, erbaut 1715, mit schönem plastischem Barockdekor über den Fensterrahmungen. Nach einem nicht erhaltenen Hausschild hat es den Namen „Zur goldenen Birn“ erhalten, alternativ ist es jedoch auch als Haus „Zum steinernen Christkindl“ bekannt.

Der Name leitet sich von einer Skulptur her, die zwischen erstem und zweitem Stock in einer kleinen Nische an der Fassade angebracht ist; sie zeigt den Hl. Josef mit dem Jesuskind. Ein Bildmotiv übrigens, das gerade in Österreich für die Barockzeit als typisch gelten darf, kam die Verehrung des Hl. Josefs doch gerade damals erst so richtig in Gang. In den Jahrhunderten davor hatte man ja in der katholischen Kirche mit diesem Heiligen nicht so recht etwas anzufangen gewusst, weil seine Position innerhalb der Heiligen Familie ja doch eine etwas prekäre war. Erst im Zuge der Gegenreformation gewann Josef als „Nährvater Christi“ an Bedeutung und nachdem Kaiser Leopold I. ihn 1675 zum „Schutzherrn aller kaiserlichen Erbkönigkreiche und Länder“ erklärt hatte, stand seiner breiten Verklärung und Verehrung als idealem Familienvater endgültig nichts mehr im Weg. Bedenkt man freilich, dass die Gassen des Wiener Spittelbergs vor allem im 19. Jahrhundert als Rotlichtviertel berühmt-berüchtigt waren, erscheint das Auftreten gerade dieses Heiligen an der Hausfassade fast unfreiwillig ironisch. Aber seit es hier den Christkindlmarkt gibt, ist die Skulptur ja doch wieder recht passend für diesen Ort…

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