Pfarrhof, Mariapfarr (Salzburg)

Ein schlichtes Portal in einer noch schlichteren Fassade. Als einziger Schmuck an den Kämpfern des Portals zwei skulpierte Köpfe, rechts ein Mann mit langem Bart, links eine Frau mit Kopftuch. Über die Identität der beiden lässt sich nur spekulieren. Handelt es sich um allegorische Figuren, um bloß um rein dekorative Elemente ohne weitere Bedeutung oder vielleicht um den Bauherren und seine Frau? Gut, letzteres wohl kaum, handelt es sich bei dem Gebäude doch um einen Pfarrhof, der trotz der weiten Verbreitung des Protestantismus im Salzburger Land die frühe Neuzeit hindurch in katholischer Hand geblieben war. Die heutige Baugestalt jedenfalls geht im Wesentlichen auf einen 1699 unter Pfarrer Philipp Jakob Werner durchgeführten Neubau zurück, der nach einem Brand von 1854 wieder instand gesetzt wurde.

Aber die, wenn man so will, historische Bedeutung des Mariapfarrer Pfarrhofs liegt ohnehin gar nicht in seiner Architektur begründet, sondern in dem Umstand, dass hier im frühen 19. Jahrhundert für kurze Zeit ein Hilfspfarrer namens Joseph Mohr residierte. Und hier im Pfarrhof verfasste ebendieser Joseph Mohr im Jahr 1816 ein Weihnachtsgedicht, das mit den Worten „Stille Nacht, heilige Nacht“ beginnt. Zwei Jahre später dann war Mohr nach Oberndorf bei Salzburg versetzt worden, und der dortige Dorfschullehrer Franz Xaver Gruber komponierte eine Melodie zu dem Text, den Mohr aus Mariapfarr mitgebracht hatte. Der Rest ist, wie man sagt, Geschichte, und ich bin sicher, dass auch bei einigen meiner Leserinnen und Leser heute zu Heiligabend die Verse Mohrs erklingen werden. Ich wünsche Euch jedenfalls allen Frohe Weihnachten, ganz gleich ob mit Stille Nacht oder doch lieber ohne, und erholsame Feiertage! Ich melde mich hier dann wieder im Neuen Jahr…

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