Österreichische Nationalbank, Bregenz (Vorarlberg)

Das neue Jahr ist inzwischen auch schon nicht mehr ganz neu und die Zeit, in der man einander Alles Gute im Neuen Jahr wünscht, eigentlich schon abgelaufen, aber dennoch kann es wohl nicht schaden, 2015 hier im Blog gleichsam symbolisch mit dem Bild zweier Füllhörner zu beginnen.

Die Füllhörner im Foto sollen wohl tatsächlich jenen materiellen Reichtum darstellen, den man sich gerne vom Neuen Jahr erhofft, denn sie zieren die Eingangsfront eines Bankgebäudes, genauer gesagt der Bregenzer Zweigstelle der Österreichischen Nationalbank. Wie viele Neujahrswünsche erwies sich freilich auch diese symbolhafte Aufladung der Bankfassade als ein wenig zu optimistisch, wurde diese doch im Jahr 1925 errichtet, und bereits vier Jahre darauf führte die Weltwirtschaftskrise zu einem bösen Erwachen aus allen Träumen von Reichtum, Wohlstand und Fülle.

Charakteristisch für die 1920er-Jahre ist aber nicht nur der wirtschaftliche Optimismus, den die Fassadendekoration zum Ausdruck bringt, sondern auch die architektonische Gestaltung des Gebäudes an sich. Es handelt sich um einen jener Zwanziger-Jahre-Bauten, bei denen man sich schwer tut, sie in eine bestimmte Schublade zu stecken, dem Baustil einen klaren Namen zu geben. So waren die entwerfenden Architekten, Rudolf Eisler (1881–1977) und Ferdinand Glaser (1880–1961), in ihrem Frühwerk vor dem Ersten Weltkrieg stark dem Heimatstil verpflichtet, und im Giebelaufsatz der Nationalbank in Bregenz klingt dieser noch merklich nach. Andererseits setzen die geschoss-überspannenden Säulen einen starken neo-klassizistischen Akzent, während die plastische Durchgestaltung der Fassade dem Ganzen etwas Expressionistisches verleiht und die dekorativen Füllhörner an die Ornamentik des Jugendstils erinnern.

Eisler und Glaser errichteten in den darauffolgenden Jahren noch weitere Filialen der Österreichischen Nationalbank in Eisenstadt (1928-29) und Innsbruck (1930), doch präsentieren diese sich weit weniger verspielt als jene in Bregenz, sondern in schlichter Monumentalität. Von Füllhörnern ist an diesen späteren Bauten nichts mehr zu erkennen, wohl weil diese eigentlich schon 1925 etwas altmodische Art plastischen Fassadenschmucks nun endgültig aus der Mode gekommen war. Aber spätestens 1930 glaubte vermutlich ohnehin niemand mehr, dass die Nationalbank noch über ein Füllhorn verfügte, dass sie über der Bevölkerung ausschütten konnte…

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