Ehm. Pfarrhof, Adriach (Steiermark)

Ich habe hier schon einmal davon geschrieben, dass in früheren Zeiten Pfarrer noch als Pfarrherren bezeichnet wurden, wobei die Betonung oft genug auf Herr lag. Da konnte es dann durchaus vorkommen, dass ein Pfarrhof die Dimensionen eines kleinen Schlosses oder zumindest eines großen Gutshofes erhielt. So geschehen in Adriach bei Frohnleiten, wo der Pfarrhof als wuchtige Vierflügel-Anlage am Hang über der Kirche thront. Heute noch imponiert der Bau durch seine Größe, zeigt sich ansonsten aber weitgehend schmucklos; die Reste einer frühneuzeitlichen Fassadenbemalung sind mittlerweile so gut wie vollständig verblasst. Das einzige außen noch sichtbare Zierelement ist ein Wappenstein an der Nordseite: Er ist mit 1444 datiert und zeigt das Wappen des damaligen Pfarrers, Stephan von Krumau, der den Pfarrhof in seiner bestehenden Form errichten ließ.

Über diesen Stephan von Krumau ist kaum etwas bekannt, doch hat sich aus seiner Amtszeit immerhin ein interessantes Dokument erhalten, das am Rande auch ein wenig Einblick in die Nutzung des Pfarrhofes gibt. Es handelt sich um eine Stiftungsurkunde für eine tägliche Messe in der Katharinenkapelle zu Frohnleiten, ausgestellt am 23. April 1436 von Graf Stephan von Montfort, dem Stadtherren von Bregenz. Dessen Vater, der als Minnesänger bekannte Hugo von Montfort, hatte durch Heirat die steirische Herrschaft Pfannberg erworben, in deren Bereich auch Frohnleiten lag. Obwohl damals schon ein wichtiger Markt, besaß Frohnleiten selbst im Spätmittelalter allerdings keine eigene Pfarrkirche, sondern war kirchenrechtlich dem gleich daneben gelegenen Adriach unterstellt. In der Stiftungsurkunde von 1436 ist es daher der Adriacher Pfarrer Stephan von Krumau, der sich und seine Nachfolger dazu verpflichtet, einen eigenen Kaplan für das Lesen der gewünschten Messe in Frohnleiten anzustellen. Dafür soll er jährlich 21 Pfund Pfennige Wiener oder Steirischer Münze erhalten, von denen sieben dem Kaplan als Sold zukommen sollen. Zudem, heißt es, soll der Kaplan Gemach und Kost im Pfarrhof zu Adriach erhalten.

Natürlich erfahren wir auch aus dieser Quelle nur wenig zur tatsächlichen Nutzung des Pfarrhofes und zum täglichen Leben darin, aber es wird doch deutlich, dass er nicht nur ein spirituelles, sondern auch (oder sogar vor allem) ein wirtschaftliches Zentrum darstellte und über einen gewissen Personalstand verfügte. Da ist es dann schon verständlich, dass er auch über eine gewisse Größe verfügen musste. Und dazu kommt natürlich noch: Wo der Pfarrer einmal ein eigenes Wappen führte, darf man sicher auch ein gewisses Repräsentationsbedürfnis unterstellen. Wie gesagt, nicht umsonst sprach man früher oft vom Pfarrherr.

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