Burgruine Landsee, Landsee (Burgenland)

Bis zum 28. Februar läuft die Blogparade Burgen und Schlösser in Europa, die Daniela vom European Adventure-Blog vor einigen Wochen ausgerufen hat – d.h. mir bleiben nach einem kurzen Blick auf die Uhr noch genau zwei Stunden und 29 Minuten, um fristgerecht einen Beitrag dafür abzuliefern. Ich will mich daher gar nicht lange mit irgendwelchen Vorreden aufhalten, sondern gleich zum Thema kommen, nämlich zur Burgruine Landsee im mittleren Burgenland. Mit einer Ausdehnung von etwa 200 mal 300 Metern zählte sie einst zu den größten und mächtigsten Wehranlagen Westungarns, und auch heute als Ruine vermag sie durchaus noch zu beeindrucken.

Manchen meiner nicht-österreichischen Leserinnen und Leser muss ich an dieser Stelle vielleicht erklären, warum ich hier von Westungarn spreche. Die Sache ist nämlich die: Das Burgenland, heute das östlichste Bundesland Österreichs, war zwar seit dem Hochmittelalter deutschsprachig besiedelt, bis zum Ende des Ersten Weltkriegs aber Teil des Königreichs Ungarn. Und als die Burg Landsee im Mittelalter hart an der Grenze zu Niederösterreich errichtet wurde, lag ihre Funktion nicht zuletzt darin, dieses Königreich gegen eventuelle Einfälle aus Österreich zu verteidigen. (Nur wenige Kilometer weiter südwestlich erfüllte auf der anderen Seite der Grenze übrigens die Burg Kirchschlag eine ähnliche Aufgabe. Ich erwähne das nur, weil ich auch über diese Burg hier schon einmal geschrieben habe.)

Wie bei so vielen Burgen liegen auch im Fall von Landsee die Anfänge im Dunkeln. Vermutlich bestand hier schon im 12. Jahrhundert eine Wehranlage, aber erst im 13. Jahrhundert lässt sich die Existenz der Burg urkundlich sicher greifen. Aus dieser Zeit stammt wohl auch noch das Kernstück der Anlage, ein romanischer Donjon mit bis zu zehn Meter starken Mauern. An diesen wurden dann bis zum Ende des Mittelalters noch weitere Wohn- und Befestigungsanlagen im gotischen Stil angebaut. Damit war der Ausbau aber keineswegs beendet, denn auch wenn wir bei Burgen meist automatisch ans Mittelalter denken, erhielten die meisten der noch bestehenden Anlagen ihre endgültige Form erst im Lauf der Frühen Neuzeit. So auch Landsee: Wie an vielen anderen Orten erforderte die rasante Weiterentwicklung der Waffentechnik – Stichwort: Feuerwaffen und Artillerie – eine ständige Anpassung und Erweiterung der Befestigungen. So entstanden im Lauf der Jahrhunderte insgesamt vier Verteidigungsringe, die sich in immer größerer Ausdehnung um die Kernburg legen. Der äußerste und jüngste davon trägt an seinem Tor die Jahreszahl 1668 (erkennbar am obigen Foto), stammt also erst aus dem Zeitalter des Barock. Damals entstand auch eine Reihe neuer Wohnbauten mit zum Teil heute noch sichtbaren Stuckdekorationen in barockem Stil.

Veranlasst wurden diese letzten Um- und Zubauten durch eine der reichsten und mächtigsten Adelsfamilien Westungarns, die Eszterházy, in deren Eigentum die Burg nach mehreren Besitzerwechseln 1612 gelangt war. Aber nicht nur die Besitzer wechselten, auch die Bedrohungslage hatte sich im 17. Jahrhundert deutlich geändert. Was die Burg Landsee nun abwehren sollte, waren nicht mehr Angriffe von österreichischer Seite, sondern die wiederholten Einfälle der Osmanen von Osten, die erst 1683 endgültig zurückgeschlagen werden konnten. Doch obwohl Landsee diese sogenannten Türkenkriege unbeschadet überstand, waren die Tage der Burg als stattliche Festung und Residenz gezählt. Schon bald darauf nämlich, im Jahr 1707, kam es in der Anlage zu einem großen Brand, im Zuge dessen fatalerweise auch das Pulvermagazin explodierte. Die massiven Schäden, die dabei entstanden, wurden in den darauffolgenden Jahrzehnten nur notdürftig behoben, und als die Burg 1772 erneut brannte, wurde sie von ihren Besitzern endgültig auf- und dem Verfall preisgegeben. In der Folge dienten die alten Gemäuer quasi als eine Art Steinbruch, aus dem sich die Bewohner der umliegenden Dörfer günstig Baumaterial für ihre Häuser beschafften. Auch das ein Schicksal, das Landsee mit vielen anderen Burgen teilt.

Erst in den letzten Jahrzehnten kam es zu Sicherungsmaßnahmen an den zum Teil schon stark verfallenden Mauern, Wällen und Türmen, und heute kann man die Ruine wieder getrost betreten, ohne Angst vor einstürzenden Bauteilen oder herabfallendem Mauerwerk haben zu müssen. D.h., wirklich betreten kann man die Ruine eigentlich nur von April bis Oktober (nähere Infos gibt es hier). Dann kann man auch den alten Donjon erklimmen und von oben eine wunderbar weite Aussicht genießen – an besonders klaren Tagen, heißt es, sieht man bis zum Plattensee. Jetzt im Winter hingegen ist das Burgtor verschlossen und lediglich der Bereich zwischen den beiden äußersten Verteidigungsringen allgemein zugänglich. Aber auch so ist die Anlage natürlich durchaus sehenswert, vor allem wenn sie gerade ganz romantisch eingeschneit ist, als hätte sie sich extra für meine Fotos herausgeputzt…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Burgenland abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s