Kropfmoar-Haus, Katsch an der Mur (Steiermark)

Falls sich schon jemand gefragt haben sollte: Ich bin weder aus der Welt gefallen, noch vom Erdboden verschluckt worden, war in den letzten Wochen aber so viel unterwegs, dass ich leider nicht die Zeit gefunden habe, mich in Ruhe dem Bloggen zu widmen. Und in wenigen Tagen geht es auch schon wieder weiter mit dem Reisen… Da scheint es mir nur angebracht, wenn ich heute in aller Schnelle ein Gebäude vorstelle, dass ebenfalls mit dem Thema Reisen zu tun hat, das Kropfmoar-Haus in Katsch an der Mur, ein ehemaliges Einkehrwirtshaus im steirischen Katschtal, kurz vor dessen Einmündung ins Murtal. Von hier führten im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit regional bedeutende Saumwege über den Sölkpass, der das Murtal mit dem Ennstal verbindet.

Die monumentale Herberge erinnert bis heute eindrucksvoll an die Saumfahrer früherer Zeiten – zwar nicht so sehr, durch ihre bauliche Gestaltung, aber dafür umso mehr durch die einschlägige Bemalung der zur Straße gelegenen Fassade. Da ist zunächst einmal das mit prachtvoller Architekturmalerei umrahmte Portal, an dem noch die Jahreszahl 1625 zu erkennen ist. Schon diese dürfte freilich eine etwas spätere Zutat sein, stammt das Gebäude an sich doch noch aus dem 16. Jahrhundert.

Im gemalten Architrav des Portals ist schließlich eine Inschrift des mittleren 18. Jahrhunderts eingefügt, die sich in launigen Versen an potentielle Gäste wendet:

BIS GOTT WILKUM, MEIN LIEBER GAST
DIE WEIL DV GELT IM PEIDDTL HAST
HASTV NIT GELDT MER
SO GIB WEER VND MANTL HER
SO DV ABER DAS SELBIG NIT MER HAST
SO ZYCH DEIN STRASSEN BIST IETZ NIT MER MEIN GAST
PERNHART STOCKHS-REITER 1747

Aus dem genannten Jahr 1747 dürfte wohl auch der Rest der Bemalung stammen. Er ist von einigem lokal- und kulturgeschichtlichem Interesse, zeigt er doch jene, an die sich die Inschrift in erster Linie wandte: die Saumfahrer, die hier vorüberkamen und sicherlich froh waren, vor oder nach der beschwerlichen Pass-Straße hier eine Raststätte zu finden. Einer der Säumer nähert sich, vier Pferde am Zügel führend, von links, also quasi vom Berg her, während von rechts, also vom Murtal her, ein Fuhrwerk herankommt.

Die hier dargestellte Anordnung dürfte wohl dem entsprechen, was hier einst tatsächlich vor sich ging, denn die eigentliche Pass-Straße war nur für Fußgänger bzw. Saumtiere, nicht aber für Fuhrwerke geeignet. Vermutlich war die Herberge also auch ein Ort, an dem die transportierten Güter von Wägen auf Saumpferde oder Esel umgeladen wurden, um auf diese Art über den Berg gebracht zu werden.

Hingewiesen sei zuletzt auch noch auf die ebenfalls gemalte Sonnenuhr an der Fassade: Sie zeigt ein zweigeschossiges Haus in einer Gebirgslandschaft, und obwohl es recht simpel und schlicht gemalt ist, lässt sich dieses Haus mit seinem Walmdach, den sieben Fensterachsen und dem zentralen Portal doch als eine Art Porträt des Kropfmoar-Hauses identifizieren.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Steiermark abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s