Währinger Wasserturm, Wien XVIII

Ein Blick in die Blog-Statistik zeigt mir, dass dies heute mein 100. Beitrag auf Baudenkmäler in Österreich ist, und für so einen Jubiläums-Post will das Thema natürlich gut überlegt sein. Nach diesem Einleitungssatz werden sich jetzt manche fragen, wie ich dann ausgerechnet auf den Währinger Wasserturm komme, der ja der „Feierlichkeit“ des Anlasses auf den ersten Blick kaum gerecht zu werden scheint.

Nun, dass ich heute ausgerechnet dieses Bauwerk ins Rampenlicht rücke, hat zwei, wie ich meine, gute Gründe. Der erste davon ist schlicht und einfach, dass der Wasserturm in gewisser Weise mit schuld daran ist, dass es diesen Blog überhaupt gibt. Vor einigen Jahren nämlich kam ich mit einer Gruppe von Freunden zufällig an dem Bau vorbei, und einer aus der Gruppe fragte im Vorübergehen: „Was ist das da eigentlich für ein Turm?“ Worauf meine Freundin, die mit von der Partie war, antwortete: „Ich weiß es nicht, aber ich weiß jemanden,…“ – und hier warf sie mir einen bedeutungsvollen Blick zu – „…der das im Internet nachschauen wird, sobald wir zu Hause sind.“

Aufmerksame Leserinnen und Leser werden nun sofort erkannt haben, dass diese Begebenheit sich noch zu einer Zeit zugetragen hat, als man noch keine Smartphones mit sich trug, auf denen man so etwas hätte sofort nachschauen können, also doch schon einige Zeit her sein muss. Aber im Nachhinein betrachtet war schon damals, in dem Dialog beim Wasserturm, die Grundidee zu diesem Blog angelegt: Ein Blog über jene Baudenkmäler, die nicht berühmt genug sind, um in Bildbände, Reiseführer und dergleichen aufgenommen zu werden, aber doch so interessant erscheinen, dass man sich im Vorübergehen unweigerlich fragt, was das denn eigentlich für ein Gebäude ist.

Im konkreten Fall stellte sich nach kurzer Recherche heraus, dass „dieser Turm da“ ein alter Wasserturm ist, einer der letzten Reste der Kaiser-Ferdinands-Wasserleitung, die von 1836 bis 1841 errichtet wurde. Noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte die Wasserversorgung Wiens ja hauptsächlich über Hausbrunnen, die sich aber zunehmend als unzulänglich bzw. problematisch erwiesen: Da es keine eigene Kanalisation in der Stadt gab, war das Grundwasser so stark verschmutzt, dass es sich nur sehr bedingt als Trinkwasser eignete. Schon seit dem 16. Jahrhundert gab es daher immer wieder Versuche, frisches Quellwasser aus dem Umland in die Stadt zu leiten, um die Trinkwasserversorgung zu gewährleisten. Die 1835 von Kaiser Ferdinand in Auftrag gegebene und schließlich nach ihm benannte Wasserleitung war das bis dahin umfangreichste Projekt in diese Richtung und sollte es auch bis zur Eröffnung der heute noch bestehenden Ersten Hochquellenwasserleitung im Jahr 1873 bleiben.

Der 1839 fertiggestellte Wasserturm in Währing zeigt eine für die 1830er typische Formensprache, einen schlichten, biedermeierlichen Klassizismus. Die wuchtige untere Partie des Turmes wird auf allen vier Seiten von einer tief eingeschnittenen rundbogigen Arkade bestimmt, die ein wenig an einen Triumphbogen erinnert. Darüber erhebt sich, über einer eisernen Balustrade, ein niedriges Oktogon, dem an den Ecken antikisierende Säulen vorgestellt sind, auch sie in gewisser Weise ein Hoheitsmotiv, das dem reinen Zweckbau einen würdevollen Anstrich verleihen und vielleicht an die kaiserliche Auftraggeberschaft erinnern sollen. Immerhin war hier auch ein Architekt für den Entwurf verantwortlich, der schon zuvor kaiserliche Staatsbauten errichtet hatte und wenig später, 1842, zum Leiter des Hofbauamtes aufsteigen sollte: Paul Sprenger (1798-1854), einer der wichtigsten Vertreter des Klassizismus im Österreich des Vormärz.

Und damit bin ich nun auch beim zweiten Grund angelangt, warum ich für den heutigen Jubiläumspost ausgerechnet den Währinger Wasserturm als Thema gewählt habe: Denn einem Bau von Paul Sprenger war auch der allererste Beitrag auf diesem Blog gewidmet, nämlich der Finanzlandesdirektion in Wien, Landstraße. Damals hatte ich mir überlegt, ich sollte den Blog mit etwas eröffnen, das ganz besonders typisch österreichisch ist, und nichts schien mir da passender als ein Amtsgebäude aus dem Vormärz. Dass diese zugegeben ironische Einschätzung meinerseits dem architektonischen Erbe des Landes in all seiner Vielfalt keineswegs gerecht wird, haben dann allerdings die nächsten 99 Posts gezeigt: Ich habe hier seither über Pfarrhöfe und Synagogen, Bürgerhäuser und Fabriken, Pavillons und Grabkapellen, Waschhäuser und Würstelstände sowie jede Menge anderer Groß- und Kleinbauten geschrieben, und auf je eigene Art und Weise erschien mir jeder dieser Bauten als typisch für Österreich oder zumindest für eine gewisse Region des Landes. Mal schauen, was mir für die nächsten 100 Posts so alles unterkommt…

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