Kapellenportal, Maria Saal (Kärnten)

Wer wie ich ein Faible für architekturimitierende Wandmalerei hat, findet in Maria Saal noch mehr Interessantes als die zuletzt hier vorgestellten Maßwerkfriese, denn nur wenige Meter von diesen entfernt gibt es auch dieses schöne gemalte Barockportal zu bewundern.

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche in Maria Saal ist von einer geschlossenen Wehranlage umgeben, in die weitere Bauten aus verschiedenen Bauphasen integriert sind: Das frühneuzeitliche Dechanteigebäude, die spätmittelalterliche Propstei, der romanische Karner, der um 1500 mit einem spätgotischen Arkadengang ummantelt wurde. Ebenfalls noch unter diesen Arkaden, direkt neben dem Karner liegt ein kleiner spätgotischer Kapellenraum, und zu ebendiesem führt das hier gezeigte Portal. Ganz offensichtlich stammt es allerdings nicht aus der Bauzeit der Kapelle, sondern weist schon mit dem geraden, auskragenden Türsturz eindeutig frühneuzeitliche Gestaltungselemente auf. Erst recht gilt das für die aufwändige, in der Barockzeit (nachträglich?) hinzugefügte Architekturmalerei, die dem an sich schlichten Portal mit ihren überschwänglichen Formen und ihren kräftigen Farben einen Anstrich von Prunk und Pomp verleiht.

Die Tür wird flankiert von grünen dorischen Säulen vor rotem, stein-imitierendem Grund, doch über diesem ruhig wirkenden Unterbau erhebt sich ein vielfach geschwungener, elaborierter Aufsatz, der fast mehr an Möbelaufsätze erinnert als an gebaute, steinerne Architektur. Reich verschlungen und ornamentiert wird er an den Seiten von Voluten abgeschlossen, auf denen jeweils ein Putto hockt. Beide Putti halten Rosengirlanden, die sich als zusätzlicher Schmuck um die fingierte Architektur zu ranken scheinen.

Dieses sehr effektvolle Beispiel barocker Architekturmalerei wurde, soweit ich sehe, bislang wenig beachtet, und so habe ich mir ehrlich gesagt auch schwer getan, konkrete Informationen zu seiner Entstehungszeit ausfindig zu machen. Plausibel erschiene mir das frühe 18. Jahrhundert, doch bin ich beileibe kein Barockexperte und meine Stil-Expertise ist für diese Epoche sicher nicht die beste. Für die vorgeschlagene Datierung spricht aber immerhin, dass man gerade damals die im Jahr 1669 durch einen Brand beschädigte Kirchenanlage wiederhergestellt und auf den neuesten Stand gebracht hatte: So wurden 1711 mehrere neue Barockaltäre in der Kirche aufgestellt, und als quasi krönender Abschluss des Ganzen 1714 auch ein neuer Hochaltar errichtet. Dass man im Zuge dieser Maßnahmen auch ein Portal durch fingierte Malerei ein wenig aufzupeppen versuchte, ist m. E. nicht ganz abwegig. Aber wie gesagt, ich bin kein Experte für diese Epoche, und wie schon öfter gilt daher: Falls jemand es genauer oder besser weiß, bin ich für Korrekturen und Zusatzinformationen dankbar.

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