Alpenmilch-Zentrale, Wien IV

Der Werbung eines hierzulande nicht ganz unbekannten, nach einer oberösterreichischen Stadt benannten Herstellers von Molkereiprodukten entnehme ich, dass heute der Weltmilchtag begangen wird, und da erscheint es mir nur passend, an diesem Tag ein ehemaliges Molkereigebäude zu präsentieren: Die Alpenmilch-Zentrale in der Weyringergasse/Viktorgasse. Der große Bau mit dem klingenden Namen war lange Zeit Hauptsitz und Hauptproduktionsstätte der Firma Wiedner Molkerei Johann Trösch, die zu ihren Glanzzeiten über 40 Filialen verfügte. Der Betrieb wurde 1863 gegründet, seit spätestens 1915 war er an der Adresse des heute bestehenden Gebäudes ansässig. Ausschlaggebend für die Standortwahl war wohl die Nähe des Südbahnhofs, genauer des dazugehörigen Frachtenbahnhofs, wo täglich große Mengen Milch vom Land zur Weiterverarbeitung angeliefert wurden. 1990 wurde der Molkereibetrieb geschlossen, 1996-1998 erfolgte die Adaption der Anlage zu einem Werkstätten- und Atelierhaus, das sich rasch zu einem wichtigen Kultur- und Kreativzentrum im Bezirk entwickelte.

Rein architektonisch betrachtet ist die Alpenmilch-Zentrale freilich nicht unbedingt das, was man landläufig als Baujuwel zu bezeichnen pflegt. Vielmehr handelt es sich um eine 08/15-Gewerbearchitektur mit glatter, grauer Fassade, wie sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in großer Zahl errichtet wurden. Ein echter Blickfang ist jedoch die kleinteilige Fassadendekoration aus blauen und weißen Fliesen im Erdgeschoss, die – so finde ich – in der von protzigen Gründerzeithäusern dominierten Umgebung angenehm hervorsticht.

Noch mehr sticht aber natürlich der unübersehbare Schriftzug Alpenmilch Zentrale hervor, der sich in eleganter Schreibschrift über die Fassade zieht oder eigentlich vor dieser zu schweben scheint. Denn obwohl das Schriftband selbst flach ist, ist es durch von unten meist unsichtbare Halterungen so weit vor die Fassade gerückt, dass ein interessanter dreidimensionaler Effekt entsteht. Nicht ohne Grund ist die Alpenmilch-Zentrale vielen Freundinnen und Freunden alter Geschäfts- und Fassadenbeschriftungen daher wohlbekannt. Und damit bin ich nun auch beim eigentlichen Anlass für dein heutigen Blog-Post angekommen (denn das mit dem Weltmilchtag ist zwar ein schöner Zufall, aber ehrlich gesagt doch nichts, was mich unbedingt zu einem eigenen Beitrag bewogen hätte): Es gibt nun auf Facebook eine neue Seite namens Schriftbilder, auf der Fotos interessanter alter Geschäftsschilder und Fassadenschriften in Wien gesammelt werden – den Besuch derselben kann ich nur wärmstens empfehlen!

Abschließend soll freilich auch nicht unerwähnt bleiben, dass mit Stadtschrift schon seit längerem eine Gemeinschaft mit vergleichbarer Intention, nämlich der „Sammlung, Bewahrung und Dokumentation historischer Fassadenbeschriftungen“ auf Facebook vertreten ist, und dass erst letztes Jahr im Metro Verlag unter dem Titel Stadtschriften auch ein Buch zu diesem Thema erschienen ist.

P.S.: Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, sei dazugesagt, dass ich weder mit den genannten Facebook-Seiten noch mit dem erwähnten Buch persönlich irgendetwas zu tun habe…

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