Draubrücke, Lippitzbach (Kärnten)

In Anbetracht der herrschenden Temperaturen scheint es mir angebracht, heute ein Bild mit Wasser und viel kühlem Grün zu posten. Sogar das Bauwerk im Bild ist, zumindest was seine Metallteile betrifft, mit einem grünen Anstrich versehen, sodass man sich fast schwertut, es vor dem bewaldeten Hintergrund zu erkennen. Bei dem gut getarnten Bauwerk handelt es sich um die alte Brücke über die Drau bei Lippitzbach, die in den Jahren 1895-1896 als eiserne Fachwerkbrücke mit Parabelträgern auf gemauerten Widerlagern und Mittelpfeiler errichtet wurde.

Ein wesentlicher Grund für die Errichtung einer Brücke an dieser Stelle war, dass man für das damals bedeutende Lippitzbacher Eisenwalzwerk einen möglichst praktischen Anschluss an das noch recht neue Eisenbahnnetz herstellen wollte. Nur liegt Lippitzbach am Nordufer der Drau, und der nächstgelegene Bahnhof befand sich seit 1863 in Bleiburg, rund sieben Kilometer südlich des Flusses. Obwohl man sich tatsächlich schon seit der Fertigstellung der Bahnstrecke Klagenfurt – Bleiburg – Marburg im Jahr 1863 mit dem Gedanken an einen Brückenbau bei Lippitzbach trug, dauerte es aber noch drei Jahrzehnte, bis aus dem Projekt etwas wurde. Erst 1890 wurde der Zivilingenieur Josef Clementschitz mit konkreten Planungen beauftragt, und 1892 wurde sein Entwurf vom Kärntner Landtag gutgeheißen. Nachdem allerdings noch finanzierungstechnische und wasserrechtliche Fragen zu klären waren, kam es erst im Frühjahr 1895 zum tatsächlichen Baubeginn. Im Oktober 1896 konnte das fertiggestellte Bauwerk schließlich feierlich eröffnet werden. Das Walzwerk übrigens hatte am Ende dann doch nichts von der Brücke, denn es war bereits 1894 geschlossen worden…

Mit der Eröffnung und Verkehrsfreigabe 1896 war die Geschichte der Draubrücke bei Lippitzbach freilich noch nicht vollends abgeschlossen. Denn im Zuge des sogenannten Kärntner Abwehrkampfes kam es 1919 zur Sprengung der Brücke – genauer gesagt wurde die Brücke sogar zwei Mal gesprengt, das erste Mal am 2. Mai von den jugoslawischen Verbänden, die damit den Übergang der österreichischen Truppen über die Drau verhindern oder zumindest erschweren wollten; das zweite Mal dann am 29. Mai von den Österreichern, die damit das Vorankommen einer jugoslawische Gegenoffensive erschweren wollten. (Ein Foto der gesprengten Brücke gibt es übrigens hier zu sehen.) Das dabei zerstörte rechte Brückenfeld wurde erst 1921, lange nach Ende der Kampfhandlungen, wiederhergestellt.

Heute hat die alte Fachwerkbrücke ein weit ruhigeres Dasein: Seit vor zehn Jahren etwa 200 Meter weiter östlich eine neue Straßenbrücke, die auf hohen Betonpfeilern die Drau überspannt, eröffnet wurde, ist die alte nur noch für Fußgänger und Radfahrer zugelassen – doch auch von denen dürften sich nicht allzu viele in diese mittlerweile eher abgelegene Gegend verirren…

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