Ehm. Hammerherrenhaus, Übelbach (Steiermark)

Bleiben wir noch bei einem der Themen des vorigen Posts, nämlich beim Eisen, wenn auch diesmal nicht als zentralem Konstruktionselement, sondern in der eher untergeordneten Rolle als Fenstergitter. Solche vor allem in der Frühen Neuzeit üblichen Gitter dienten eigentlich zum Schutz vor Einbruch und dergleichen, sind aber ein Paradebeispiel dafür, wie sich rein funktionale Bauteile zu Ornamenten weiterentwickeln konnten. Auch an der relativ schlicht gehaltenen Fassade des Hammerherrenhauses am Rand von Übelbach bilden die mit barockem Schwung ausgreifenden Schmiedeeisengitter den wesentlichen, wenn nicht gar den einzigen Blickfang. Auf die Zeit des Barock verweist auch tatsächlich die Jahreszahl am Gitter über dem Mittelfenster der Längswand: Es ist mit 1748 datiert.

Damals befand sich das im Kern auf das 16. Jahrhundert zurückgehende Gebäude im Besitz eines gewissen Hans Georg Zeilinger, der hier seit spätestens 1741 eine Sensenschmiede betrieb. Er stammte aus einer ursprünglich oberösterreichischen Gewerkendynastie, die sich im 18. Jahrhundert auch in den eisenverarbeitenden Regionen der Steiermark ausbreitete. Zeilingers Initialen HGZ sind es auch, die an dem Fenstergitter unterhalb der Jahreszahl angebracht sind. Noch eine Zeile darunter folgen die Buchstaben IZ oder JZ, deren Bedeutung ich leider nicht in Erfahrung bringen konnte. Der an sich naheliegende Gedanke, es handle sich um die Initialen von Zeilingers Frau, ist wohl nicht zutreffend, denn laut den erhaltenen Tauf- und Ehematriken der Pfarre Übelbach hieß diese mit Vornamen Barbara.

Leichter zu entziffern sind hingegen die Zeichen, die die obere Bekrönung des Gitters darstellen: Die beiden Sensenklingen verweisen auf das hier gefertigte Produkt, die drei gekreuzten Säbel waren das Werkzeichen – heute würde man wohl sagen: Logo – von Zeilingers Sensenschmiede. Von den Werkanlagen, die sich einst rund um das Herrenhaus gruppierten, ist heute freilich nichts mehr auszumachen, und so sind die Symbole am Fenstergitter der letzte noch sichtbare Hinweis auf ein verlorenes Bauensemble, aber auch auf eine längst dem technischen Fortschritt zum Opfer gefallene Handwerkstradition.

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