Villa Werndl, Millstatt (Kärnten)

Millstätter Villenarchitektur (II)

Der Garten mit dem niedrigen grünen Zaun, von dem man am unteren Rand des obigen Fotos noch ein kleines Eck sieht, ist jener der Villa Streintz, um die es im vorigen Post ging. Direkt dahinter liegt die Villa Werndl, die 1930, also rund 35-40 Jahre später als die Nachbarsvilla errichtet wurde. Der Zeitunterschied wird schon in der etwas schlechteren Lage evident: Die Villa Werndl liegt, vom See aus betrachtet, bereits in der zweiten Reihe, waren die Grundstücke direkt am Ufer damals doch bereits verbaut. Vor allem aber zeigt er sich in der nun völlig veränderten Formensprache: An die Stelle pittoresker Türmchen und verspielter Holzschnitzereien sind nun gerade Linien und klare geometrische Formen getreten. Über einem Sockel aus grauem Naturstein erhebt sich die Villa Werndl als weißverputzter Block, in dem lediglich ein unterhalb der Giebelzone durchlaufendes Vordach sowie Loggien- und Balkonvorbauten Akzente setzen. Aber auch diese Vorbauten sind in sich vollkommen schnörkellos, ihre Öffnungen wirken wie glatt ausgeschnitten, selbst die Ornamentik der Brüstungsgitter setzt sich aus einfachen geometrischen Grundformen zusammen.

An der Gegenüberstellung der beiden benachbarten Villen zeigt sich somit schlaglichtartig die rasante Entwicklung der Architektur in den Jahrzehnten um und nach der Jahrhundertwende: vom ornamentalen Überschwang des Historismus zur Neuen Sachlichkeit im Zeitraum einer Generation. Tatsächlich wurde die Villa Werndl von einem Architekten geplant, dessen ab etwa 1908 entstandenes Frühwerk noch ganz in der Tradition des Heimatstils stand: Franz Baumgartner (1876-1946), einem der Hauptvertreter der Kärntner Wörthersee-Architektur. In seinem Oeuvre lässt sich wunderbar nachverfolgen, wie um 1910 zunächst der Heimatstil mit Jugendstilformen angereichert wird, wie diese Ornamentik dann aber mehr und mehr auf strenge geometrische Formen reduziert wird – und wie er gegen 1930 schließlich zu einer aufs Wesentliche konzentrierten modernen Formensprache gelangt, wie sie exemplarisch in der Villa Werndl zu Tage tritt.

Und, quasi als P.S., hier abschließend noch ein Detailfoto für die Freundinnen und Freunde alter Fassadenbeschriftungen in meiner Leserschaft:

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