Befestigungsanlage, Haslach an der Mühl (Oberösterreich)

Schon Pläne fürs Wochenende? Wenn nicht, hier ein Tipp: Am Samstag und Sonntag findet in Haslach, einem alten Zentrum der Textilproduktion, wieder der mittlerweile traditionelle Webermarkt statt. An fast hundert Ständen gibt es dort Erzeugnisse des (vor allem textilen) Kunsthandwerks zu entdecken und natürlich zu erwerben. Da der Verein Textile Kultur Haslach den Markt sorgfältig kuratiert, wird dort auch wirklich nur hochwertige Ware angeboten und nicht der billige Ramsch, den man sonst oft auf sogenannten Kunsthandwerksmärkten findet…

Aber um zum eigentlichen Thema zu kommen: Wenn man schon mal in Haslach ist, kann man natürlich auch die Gelegenheit nutzen, um den Ort zu besichtigen, vom Webermuseum über die spätgotische Pfarrkirche bis hin zur alten Stadtmauer. Also Stadtmauer ist genau genommen der falsche Begriff, denn der Ort hat bloß den Status einer Marktgemeinde und verfügt(e) weder jetzt noch früher irgendwann über das Stadtrecht. Aber in Mittelalter und Früher Neuzeit wurden ja nicht nur Städte befestigt, sondern in gar nicht so geringer Zahl auch Märkte und Dörfer – nur haben wir dafür keinen rechten Ausdruck. Gut, Fachbücher sprechen in so einem Fall von einer Marktbefestigung, aber wirklich gängig ist die Bezeichnung nicht.

Wie dem auch sei, in Haslach an der Mühl gibt es Reste einer spätmittelalterlichen Wehranlage zu bewundern, die erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt und dann Ende des 15. Jahrhunderts überarbeitet und erneuert wurde. Leider wurden große Teile dieser einst rechteckig den Ort umschließenden Ummauerung im 19. Jahrhundert abgebrochen. Erhalten sind aber – neben Teilen der eigentlichen Mauer – immerhin noch ein Stadttor und zwei Wehrtürme, vom Typus her runde Schalentürme. Was mich an der Befestigungsanlage besonders fasziniert, ist jedoch die Art, wie man die Mauer in den Jahrhunderten nach ihrer Errichtung nach und nach in den dörflichen Baubestand integriert hat. Man kann das sehr schön vom Kirchturm aus sehen: Die örtlichen Hausbesitzer nutzten die Wehrmauer ungeniert als Rückwände für ihre Scheunen, und von oben betrachtet erblickt man nun nicht mehr die Mauer selbst, sondern nur eine Abfolge von Dächern, die sich wie aufgefädelt aneinander reihen. Nur der Wehrturm, der die Reihe unterbricht, lässt noch erkennen, was sich eigentlich dahinter verbirgt.

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