Bauernhaus, St. Leonhard an der Saualpe (Kärnten)

900 Jahre soll es mündlicher Überlieferung zufolge alt sein, das Bauernhaus in St. Leonhard an der Saualpe. Ein 900-Jahre-altes Bauernhaus verspricht auch der Wegweiser, der einen von der Landstraße auf einen Feldweg verweist, über den man zu dem Gehöft gelangt. Wie so oft gilt allerdings auch hier: Wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es das vermutlich auch. Es mag natürlich sein, dass es an dieser Stelle bereits um das Jahr 1100 ein Bauerngut gab, aber das bestehende Gebäude wurde laut den Ergebnissen der Bauforschung vor nicht mehr als 400 Jahren errichtet – was für ein zu großen Teilen aus Holz gefertigtes Gebäude natürlich immer noch ein ausgesprochen beachtliches Alter ergibt! Sehenswert ist es also auf jeden Fall, schon allein, weil es eines der wenigen im Gebiet der Saualpe erhaltenen „Winkelhäuser“ ist. Diese Hausform, bei der zwei Bauteile im rechten Winkel zueinander stehen, war in dieser Gegend einst bestimmend, ist heute aber kaum noch anzutreffen.

Bei dem hier gezeigten „Winkelhaus“ wurden die beiden Teile mit einigem zeitlichen Abstand erbaut. Der ältere ist der obere, der dem Verlauf des Hangs folgt: Er stammt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Sein vorderer Teil ist in Blockbauweise errichtet und enthält die Rauchstube, die in der traditionellen Architektur der Ostalpen gleichsam das Zentrum bäuerlichen Lebens und Wohnens bildete. Dahinter schließen sich gemauerte Wirtschaftsräume an. Über die ganze Länge ist seitlich ein Flur mit massivem Holzboden angebaut, über den die unterschiedlichen Räume erschlossen sind.

Einige Jahrzehnte später wurde ein zweiter Gebäudeteil hinzugefügt. Dieser steht in rechtem Winkel zum Kernbau und somit auch zum Hang. Aus dieser Lage ergab sich zwangsweise eine zweigeschossige Bauweise: Das gemauerte Untergeschoss enthält Wohnräume und dient quasi als Sockel für das Obergeschoss, das auf demselben Niveau liegt wie der anschließende Altbau mit der Rauchstube. Ebenfalls als Blockbau errichtet, besteht dieses aus einem Vorraum und einer großen Stube, die zeitweise auch als Tanzboden und Wirtshaus Verwendung fand. Einer ihrer Deckenbalken trägt die Jahreszahl 1578 – und damit einen deutlichen Hinweis auf die Entstehungszeit.

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