Thöny-Hof, Wald am Arlberg (Vorarlberg)

Ein alter Bauernhof an einem sonnigen Herbsttag – wer heute Morgen die Verkehrsnachrichten verfolgt hat, wird wissen, dass am Arlberg mittlerweile „winterliche Straßenverhältnisse“ herrschen, dass das obige Foto also kein ganz aktuelles ist, sondern eher ein verspäteter Gruß aus schöneren Tagen…

Das Gebäude, das da so idyllisch in der Wiese steht, ist der sogenannte Thöny-Hof, ein bäuerliches Anwesen, das schon allein wegen seines hohen Alters beeindruckt: Wie dendrochronologische Untersuchungen bestätigt haben, stammt es bereits aus der Mitte des 17. Jahrhunderts – auch wenn das heutige Erscheinungsbild zum Teil durch spätere Veränderungen geprägt ist. Was auffällt, ist, dass der langgestreckte Bau zwei sehr unterschiedliche Gesichter aufweist: Auf der einen Seite das eigentliche Wohngebäude, auf der anderen der Stall- und Wirtschaftstrakt. Ersteres ist geprägt durch eine auch außen sichtbare Tragestruktur, deren Kombination aus Stehern und Querbalken rechteckige Felder erzeugt, in die wiederum die Fenster eingefügt sind.

Ganz anders präsentiert sich der daran anschließende Wirtschaftstrakt: Da hier eine starke Durchfensterung nicht zwingend nötig war, gibt es fast nur im gemauerten Sockel Öffnungen, und auch diese sind verhältnismäßig klein. Der obere Wandabschnitt hingegen wird von einer geschlossenen Bretterwand eingenommen, die dem Gebäudeteil einen ausgesprochen kompakten Eindruck verleiht. An der Stirnseite hingegen ist dieser Wandbereich, inklusive der Giebelfläche, vollständig mit den für Vorarlberg nicht untypischen Holzschindeln verkleidet, sodass ein kleinteiliger Effekt entsteht, umso mehr bei starkem Sonnenlicht, wenn die Schatten der einzelnen Schindeln klar hervortreten.

Dass die beiden Seiten des Gebäudes so unterschiedlich ausgefallen sind, liegt natürlich primär an ihrer jeweils unterschiedlichen Funktion. Die Unterschiede werden noch einleuchtender, wenn man weiß, dass es sich ursprünglich um zwei getrennte, selbständige Bauten handelte, die in kurzem Abstand neben- bzw. hintereinander standen. Erst im späten 19. Jahrhundert wurde das Wohngebäude mit dem Stallbau verbunden, damit man auch bei Schlechtwetter trockenen Fußes vom einen in den anderen Teil gelangen konnte. Damals wurde auch erst das große, einheitliche Dach mit dem in Ost-West-Richtung verlaufenden First errichtet: Bis dahin war der First des freistehenden Wohnbaus in Nord-Süd-Richtung orientiert gewesen. Das kurze Verbindungsstück in der Mitte ist übrigens unschwer daran zu erkennen, dass es bis zum Boden hinunter ganz aus Holz besteht und anders als der Rest des Bauwerks über keinen gemauerten Sockel verfügt. Auf den obigen Fotos ist es auch noch dadurch hervorgehoben, dass auf ihm ein Plakat für die Lange Nacht der Museen angebracht ist: Seit 1994 beherbergt der Thöny-Hof nämlich das Klostertal Museum, das sich der Geschichte und der bäuerlichen Kultur der Region widmet, freilich mit dem expliziten Anspruch, dabei nicht in Heimattümelei zu verfallen. Informationen zu Öffnungszeiten und Programm findet man bei Interesse auf der Museums-Homepage.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Vorarlberg abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s