Schloss Ambras, Innsbruck (Tirol)

Wer Schloss Ambras kennt – und das dürften doch einige sein – wird beim Lesen der Überschrift bereits ahnen, dass ein einziger Blog-Post bei Weitem nicht ausreicht, um die ganze Anlage zu behandeln: Tatsächlich geht es mir im heutigen Beitrag auch nur um ein Detail bzw. mehrere Details am Rande. Ich will mich daher auch gar nicht lange mit der Baugeschichte aufhalten, aber einige knappe Sätze dazu sind zum Verständnis des Nachfolgenden doch notwendig: Unmittelbar nach seiner Einsetzung als Landesfürst von Tirol im Jahr 1564 begann Erzherzog Ferdinand II., die mittelalterliche Burg Ambras zu einem zeit- und standesgemäßen Renaissance-Schloss umzugestalten. In einer ersten Bauphase wurde dabei bis 1567 zunächst die alte Kernburg – das heutige Hochschloss – modernisiert, ehe es in den 1570er-Jahren zur Errichtung jener Bauteile kam, derentwegen Ambras heute vor allem bekannt ist: des prunkvollen Spanischen Saals und des Unterschlosses mit Ferdinands berühmter Kunstkammer.

Im Hochschloss beschränkten sich die Umbauten hauptsächlich auf die Innenräume, während in der Außenansicht nach wie vor der kompakte, trutzige Umriss der mittelalterlichen Burg bestimmend ist. Aufgelockert wird der geschlossene Eindruck jedoch durch ein neu hinzugefügtes Element, das vielen wohl gar nicht bewusst auffällt, das aber unbewusst die Wahrnehmung der Anlage wesentlich beeinflusst: die aufwendig gestalteten Schornsteine, die über das langgestreckte Dach verteilt sind.

Ihre auskragenden, variantenreichen Aufsätze erinnern an oberitalienische, vor allem venezianische Rauchfangformen und stellen einen Bezug zum Musterland der Renaissance, Italien, her.

Auch die Bemalung mit roten und schwarz-grauen Rauten- und Schachbrettmustern entspricht einer vor allem in Oberitalien anzutreffenden Tradition profaner Dekorationsmalerei, die mindestens bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Durch die dominierenden Grautöne fügen sich die Schornsteine harmonisch in das Gesamtkonzept der Schlossfassade, die ganz mit grauer Quadermalerei auf weißem Grund überzogen ist.

Wie die architektonische Gestaltung der Rauchfänge ist auch die Ornamentik variantenreich und im Detail beachtenswert. Neben rein Dekorativem finden sich stellenweise nämlich auch Embleme Ferdinands II. bzw. allgemein des Hauses Habsburg. So findet man etwa das Symbol des Feuereisens (vgl. das Foto darüber) oder überkreuzte Äste, die ein rustikales Andreaskreuz bilden (vgl. das Foto darunter) – beides Embleme, die schon im 15. Jahrhundert von den burgundischen Herzögen verwendet und nach der Heirat Maximilians I. mit Maria von Burgund von den Habsburgern übernommen wurden. So wird in Ambras auch die Dachzone noch zum Medium fürstlicher Selbstdarstellung.

Aufgrund ihrer Anbringung in so großer Höhe sind diese Details für heutige Besucherinnen und Besucher allerdings nur erkennbar, wenn man ein Fernrohr und/oder ein halbwegs brauchbares Zoom-Objektiv dabei hat. Ursprünglich aber war die ornamentale und emblematische Bemalung durchaus auch auf Nahsicht angelegt: Wie auf einigen der Fotos zu erkennen ist, gibt es nämlich einen Dachumgang mit hölzernem Geländer, von dem aus man nicht nur die Aussicht, sondern auch die schön gestalteten Schornsteine bewundern konnte.

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