Friedhofsarkaden, Jenbach (Tirol)

Zu Allerheiligen kann ich wieder einmal nicht widerstehen, hier im Blog einen virtuellen Friedhofsbesuch zu unternehmen… Aufgrund des starken Bevölkerungsanstiegs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts musste nicht nur neuer Wohnraum für die Lebenden geschaffen werden, auch die Friedhöfe wurden vielerorts zu klein und mussten entsprechend erweitert werden. Auch in Jenbach wurde im Februar 1892 beschlossen, den bestehenden Friedhof an der Pfarrkirche um 200 Klafter (etwa 380 Meter) zu vergrößern und als dessen westlichen Abschluss eine Arkadenreihe zur Aufnahme der Grabstätten der örtlichen Oberschicht anzulegen. Lediglich die südlichste der insgesamt 6000 Gulden (etwa 120.000 Euro) teuren Arkaden war nicht für eine Gruft bestimmt, sondern wurde als Lourdes-Grotte gestaltet.

Die im Herbst 1893 fertiggestellte Anlage wurde in neugotischen Formen errichtet, also einem Stil, der damals als besonders geeignet für sakrale Bauaufgaben angesehen wurde. Tatsächlich erinnern die Gruftarkaden an den Flügel eines mittelalterlichen Kreuzganges – mit spitzbogigen Öffnungen und getreppten Strebepfeilern sowie mit Kreuzrippengewölben im Inneren. Die Gewölbekappen sind ornamental bemalt, und zwar in jedem Joch unterschiedlich, abgestimmt auf die jeweils darunter befindlichen Grabstätten der lokalen Gutsherren- und Industriellenfamilien, für die an den Wänden prächtige Grabmonumente errichtet wurden.

Die mittlere der Arkaden ist nach außen durch einen auffälligen Treppengiebel hervorgehoben, der, direkt gegenüber dem Kirchentor gelegen, einen markanten Akzent setzt. An dieser prominenten Stelle befindet sich das Grab des Sensenwerksbesitzers Franz Huber und seiner Familie, die wesentlichen Anteil an der Errichtung der Friedhofsarkaden hatte. Aus diesem Grund ist auch am Giebel, unter einem Mosaik des auferstandenen Christus, eine Porträtbüste Hubers angebracht. So wird die eigentlich der Allgemeinheit dienende Friedhofsarchitektur in gewisser Weise zum persönlichen Grabmal und Denkmal des „Sponsors“.

Dabei war Huber keineswegs der einzige, der eine solche Hervorhebung verdient hätte: Das Baumaterial für die Arkaden etwa wurde vom Jenbacher Berg- und Hüttenwerk unter der Führung der Brüder Julius und Theodor Reitlinger gespendet – Letztere waren allerdings in Wien ansässige jüdische Unternehmer, sodass es am katholischen Jenbacher Friedhof kein Grabmal gibt, das an sie erinnern würde…

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