Bürgerhaus, Althofen (Kärnten)

Mit etwas Verspätung startet der Blog nun endlich ins neue Jahr – wenn auch mit einem Beitrag, der gewissermaßen noch mit einem Bein im alten Jahr steht. Anlass des heutigen Posts ist nämlich eine zu Weihnachten 2015 in der Kleinen Zeitung erschienene Notiz zu einer eben erlassenen Verordnung im Kärntner Althofen: Diese legt neue, strengere Richtlinien für Baumaßnahmen im Bereich der dortigen Altstadt fest, um deren gut erhaltenen historischen Kern möglichst unverändert zu bewahren.

Tatsächlich weist der alte Stadtkern, der sogenannte Obere Markt, ein erstaunlich dichtes Ensemble spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Gebäude auf (über eines davon habe ich vor einiger Zeit schon einmal berichtet). Fast wie ein Fremdkörper wirkt da das schöne klassizistische Bürgerhaus am Salzburger Platz, dem Zentrum des Oberen Marktes. Der zweigeschossige Bau aus dem frühen 19. Jahrhundert entspricht, nicht zuletzt aufgrund des hohen Walmdachs, dem, was man in Österreich als „Stöckl“ bezeichnet – eine Bauform, die vor allem bei Nebengebäuden von Schlössern begegnet, in Kärnten zur Zeit des Biedermeiers aber auch gerne für Bauernhäuser adaptiert wurde. Dass sie, wie hier in Althofen, im geschlossenen Bauverbund eines Ortskerns begegnet, hat allerdings Seltenheitswert.

Das Untergeschoss der eleganten Fassade zum Platz ist durch Bänderung akzentuiert, im Obergeschoss werden die fünf Fensterachsen durch ionische Pilaster getrennt; die Mittelachse ist durch Ornamentierung des Parapets hervorgehoben. Unterschiedlich gestaltete Friese schließen die Fensterumrahmungen nach oben hin ab und fügen dem streng einheitlichen Fassadenkonzept zumindest eine kleine Dosis Abwechslung hinzu. Den oberen Abschluss bildet ein Gebälk, das mit einem geometrischen Mäanderband im antiken Stil verziert ist und damit den klassizierenden Charakter des Bauwerks nochmals unterstreicht. Zur Zeit ihrer Entstehung muss diese Fassade unerhört modern gewirkt haben – auch wenn sie uns heute, aus einem Abstand von rund 200 Jahren betrachtet, nicht weniger altvaterisch erscheinen mag als die Bürgerhäuser aus dem Mittelalter und der Renaissance, die sie umgeben.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kärnten abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s