Gasthaus zum Rössle, Nenzing (Vorarlberg)

Es ist bemerkenswert, wenn auch nicht unbedingt erstaunlich, wie stark sich manchmal der Charakter der traditionellen Architektur ändert, kaum dass man wo über einen Berg fährt. Erst recht gilt das, wenn es sich um den Arlberg handelt, denn westlich davon trifft man oftmals auf Bauformen, die viel mit Schweizerischen und Schwäbischen Gepflogenheiten zu tun haben, aber nur wenig mit dem, was im übrigen Österreich gängig war (und zum Teil immer noch ist). Ein schönes Beispiel dafür ist das Gasthaus zum Rössle in Nenzing, das 1724 vom Landammann der Herrschaft Sonnenberg, Johann Baptist Egger, errichtet und über mehrere Generationen von seiner Familie betrieben wurde.

Obwohl das „Rössle“ sowohl von der Funktion als auch von der Entstehungszeit her mit dem Gasthof Altwirt im Tiroler Rum (um den es hier letztes Mal ging) übereinstimmt, ist sein baulicher Charakter doch ein ganz anderer. Anstelle der für Tirol charakteristischen Fassadenbemalung sind hier die Außenseiten fast zur Gänze mit Holz verkleidet, genauer gesagt: mit unzähligen kleinen hölzernen Schindeln, wie man es in Vorarlberg häufig findet. Aus der Nähe betrachtet, erhält der Bau dadurch etwas Unruhiges, zugleich erweckt die Holzverkleidung aber einen irgendwie heimeligen und warmen Eindruck, der noch durch das Rot der Fensterläden verstärkt wird. Der Eindruck besteht in diesem Fall auch durchaus zu Recht, denn tatsächlich dienten solche Schindeln ja zum Schutz vor Kälte und Nässe. Ob sie am Gasthaus zum Rössle allerdings auch wirklich aus der Bauzeit stammen, kann ich zugegebernmaßen nicht mit Sicherheit sagen: Weitere Verbreitung fand diese Art der Fassadenverkleidung nämlich erst im 19. Jahrhundert und wurde dann eben auch häufig nachträglich an älteren Gebäuden angebracht.

Für eine aufwändige Bemalung der Fassade blieb hier allerdings kein Platz mehr. Dafür ist am „Rössle“ aber noch das alte Hauszeichen erhalten: dem Namen entsprechend ein goldenes Pferd.

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