Montecuccoli-Laderchi-Mausoleum, Hafnerbach (Niederösterreich)

Auch hier im Blog hat der Friedhofsbesuch zu Allerheiligen mittlerweile eine gewisse Tradition; diesmal geht es nach Hafnerbach, westlich von St. Pölten, wo sich am Rande des alten Kirchhofes eines der eigenwilligsten Mausoleen der Ringstraßenzeit in Österreich erhebt. Es wurde 1913 für die Grafenfamilie Montecuccoli-Laderchi errichtet, die ihren Sitz im nahegelegenen Mitterau hatte. Der Entwurf stammt von Robert Wohlmeyer aus St. Pölten, einem heute weitgehend vergessenen Architekten, der am Beginn des 20. Jahrhunderts aber doch von einiger regionaler Bedeutung in und um die niederösterreichische Landeshauptstadt war.

Der kleine Grabbau ist plastisch durchgebildet. Dem blockhaften Kern hat der Architekt eine Reihe hervortretender Anbauten hinzugefügt: Giebelfassaden an den Seiten, eine flache rechteckige Apsis an der Rückseite sowie einen ausgreifenden, repräsentativen Portikus an der Front. Dort prangen auch in Gold gefasst die Wappen des Auftraggebers Graf Max von Montecuccoli-Laderchi (1840–1921) und seiner Frau Sophie von Guttenberg (1843–1924).

Die reiche Ornamentik der oberen Bauteile verleiht der Gruftkapelle eine preziöse Wirkung, die durch farbige Akzente in Blau und Gold noch unterstrichen wird. Die Formensprache ist dabei durchaus eklektisch: Neobarocke Elemente wie die aufgesetzten Vasen und Obelisken stehen neben Formen, die der altägyptischen Baukunst entlehnt sind, wie stilisierten Lotus- und Papyruspflanzen. Solche pseudo-ägyptischen Elemente erfreuten sich in der Zeit um 1900 gerade an Mausoleen einer gewissen Beliebtheit. (Ein schönes Beispiel dafür aus England gibt es etwa hier zu sehen.)

In Hafnerbach sind all diese Stilmittel jedoch nicht in ihrer „Reinform“ verwendet, sondern gleichsam in secessionistischer Übersetzung: Sie sind in einer Art und Weise geometrisch abstrahiert, die sie dem ornamentalen Motivrepertoire des Jugendstils annähert – am deutlichsten in der elegant geschwungenen Gestaltung der Portalflügel.

Nicht zu Unrecht wird das Montecuccoli-Laderchi-Mausoleum daher zumeist mit dem Etikett Jugendstil versehen. Aber so zutreffend diese Einordnung zweifellos ist, so wird sie der Leistung des Architekten doch nicht ganz gerecht: Denn was Wohlmeyers Entwurf auszeichnet, ist nicht zuletzt der kreative, geradezu spielerische Umgang mit dem gängigen Formenrepertoire des Späthistorismus und dessen Zusammenzuführung zu einem erstaunlich einheitlich wirkenden Ganzen.

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