Ehm. Hotel Alpenhof, Pertisau am Achensee (Tirol)

Noch ein letzter herbstlicher Post, bevor es mit dem sich schon ankündigenden Winter richtig ernst wird: Und was passt besser zum Spätherbst als ein einst prachtvolles Gebäude, das am Verwildern und Verfallen ist?

Das ehemalige Hotel Alpenhof entstand 1899 in unmittelbarer Nähe der Dampfbootanlegestelle von Pertisau am Achensee. Der See und seine Umgebung wurden damals gerade als Luftkurort touristisch erschlossen. Der Alpenhof war einer von mehreren Beherbergungsbetrieben, die in jenen Jahren dort entstanden, aber vermutlich der größte und prächtigste davon. Sein Erbauer, Friedrich Tschoner, hatte zuvor schon in der mondänen Kurstadt Meran Erfahrung als Hotelier gesammelt und wusste daher, was er dem gehobenen Publikum so alles bieten musste, um es zufriedenzustellen. Bei der Eröffnung umfasste das Hotel 70 Fremdenzimmer nach damals aktuellsten Komfortstandards, dazu Speise- und Konversationssäle, mehrere Salons und einen Gartenpavillon sowie eine von den Zeitgenossen in höchsten Tönen gelobte Küche. Wenig später kamen auch noch Tennisplätze und Garagen dazu.

Bei aller Qualität der Ausstattung weist das Hotel in architektonischer Hinsicht eine eigentlich sehr einfache, funktionale Grundform auf. Wie vor allem in der Rückansicht gut zu erkennen ist, handelt es sich im Prinzip, salopp ausgedrückt, schlicht um einen riesigen Kasten. Als einziges Gliederungselement tritt an der Rückseite ein kleiner Mittelrisalit hervor. An der Frontseite dominieren hingegen geschoßübergreifende Balkonvorbauten, die der Fassade gleichsam vorgeblendet sind und den Eindruck reicher Gliederung entstehen lassen. Wie bei Hotelbauten der Gründerzeit im Alpenraum üblich handelt es sich um Holzkonstruktionen im Heimatstil, die den Besuchern urtümlich-ländliche Idylle suggerieren sollten.

Die unterschiedliche Gestaltung der Balkonvorbauten gibt der Fassade einen gefälligen Rhythmus: Die äußeren sind schmal und haben spitze Dachaufsätze, die ihnen turmartigen Charakter verleihen, jene in der Mitte der Fassade sind breiter und umfassen jeweils mehrere Fensterachsen. Ursprünglich boten diese Balkone den Gästen einen hervorragenden Blick auf den See: Anstelle der hohen Bäume, die das Gebäude heute umstehen, befand sich ursprünglich eine elegante Gartenanlage. (Auf dem obigen Foto mit der Rückansicht kann man den See übrigens links zwischen den Bäumen durchblinzeln sehen.)

1929 wurde das Hotel durch Siegfried Mazagg umgebaut, doch waren seine Änderungen – sieht man von einem Zubau zum Speisesaal im Erdgeschoß ab – im Wesentlichen auf die Innenausstattung beschränkt. Von außen blieb der ursprüngliche Charakter der Anlage weitgehend erhalten.

Aber auch dieser Umbau ist inzwischen schon lange her, und mittlerweile steht der einst prunkvolle Bau seit vielen Jahren leer und ungenutzt. Wie eingangs schon angeklungen ist, finde ich den dadurch entstandenen Eindruck der Verlassenheit und des Verfalls durchaus reizvoll, gerade im Herbst, aber trotzdem: Eine Sanierung dieses historisch bedeutenden Gebäudes wäre doch ausgesprochen wünschenswert.

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